Der Tagesspiegel : Brandgefährlich

In fast allen Wäldern besteht höchste Warnstufe Bereits 70 Mal musste die Feuerwehr ausrücken

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Mit der anhaltenden Hitze und Trockenheit wächst in Brandenburg die Sorge um die Wälder. Immer wieder müssen die Feuerwehren zur Brandbekämpfung ausrücken. Betroffen waren in den vergangenen Tagen zwar nur kleinere Flächen, doch Förster, Waldarbeiter und Anwohner beobachten jetzt besonders intensiv die von Dürre geplagten Flächen. Inzwischen gilt in neun der 14 Landkreise die höchste Waldbrandwarnstufe 4, die übrigen Kreise riefen die Warnstufe 3 aus. Lediglich in westlich und nördlich Berlins gelegenen Gebieten wie Potsdam-Mittelmark, Uckermark und Prignitz reicht die Feuchtigkeit noch für die zweithöchste Warnstufe aus. In höchster Gefahr befinden sich die Wälder vor allem im Süden Brandenburgs.

Anders als im benachbarten Sachsen gibt es in Brandenburg bei der obersten Waldbrandwarnstufe jedoch kein generelles Verbot, die Wälder zu betreten. Entscheidend ist das jeweilige Landeswaldgesetz. „Eine komplette Absperrung aller Zufahrtswege ist bei uns gar nicht möglich und auch nicht beabsichtigt“, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade. „Schließlich befinden sich viele Dörfer und kleine Siedlungen mitten im Wald. Die müssen erreichbar bleiben.“ Die große Schorfheide nördlich Berlins wird durch eine Autobahn, Bundes- und Landesstraßen sowie Eisenbahnlinien durchschnitten. Große Schilder warnen die Autofahrer vor dem achtlosen Wegwerfen von Zigaretten.

Die meisten Förster stören sich ohnehin nicht an den vielen Waldbesuchern gerade im Sommer. Da heute fast jeder mit einem Handy unterwegs ist, hoffen sie, schnell alarmiert zu werden, wenn jemand Rauch oder Qualm beobachtet. Die wichtigste Kontrolle der Wälder leisten aber noch immer die Waldarbeiter auf den derzeit rund um die Uhr besetzten Wachtürmen. Schrittweise wird deren Aufgabe durch Kameras abgelöst.

Brandenburg gilt wegen seiner trockenen Sandböden und der ausgedehnten Kiefernbestände als Bundesland mit dem höchsten Waldbrandrisiko. Fachleute setzen es auf eine Stufe mit den alljährlich von großen Bränden heimgesuchten Mittelmeergebieten in Spanien, Portugal und Südfrankreich. In diesem Jahr mussten die Brandenburger Feuerwehren bereits 70 größere Brände bekämpfen. Dabei gab es bis zum Beginn der Fußball-WM noch gar keine längeren Trockenperioden. Fast alle Feuer wurden durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten von Menschen ausgelöst.

Unterdessen steigen auch die Temperaturen vieler Brandenburger Seen an. 25 Grad Celsius zeigten die Thermometer gestern beispielsweise im Scharmützelsee in Bad Saarow. Das größte Brandenburger Gewässer weist trotz der Hitze eine einwandfreie Wasserqualität auf. Doch auch kleinere Seen empfehlen sich für eine sorgenlose Abkühlung.

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