Der Tagesspiegel : Brandgefahr: Alarmbereitschaft zum Schutz der Wälder

Claus-Dieter Steyer

Die Feuerwehren, Förster, Waldarbeiter und viele freiwillige Helfer stehen bereit - jederzeit kann in Brandenburg ein Waldbrand ausbrechen. In mehreren Landesteilen wird schon heute oder morgen mit der Ausrufung der höchsten Waldbrandwarnstufe 4 gerechnet. Durch das anhaltende Sommerwetter seien viele Bäume "knochentrocken", wie es gestern aus dem Lagezentrum des Innenministeriums in Potsdam hieß, wo die Informationen aus den Landkreisen zusammenlaufen. Die örtlichen Behörden entscheiden über die einzelnen Warnstufen. Beim höchsten Wert können ganze Wälder für das Betreten gesperrt werden.

Für das schnelle Erkennen von Brandherden setzt das Innenministerium diesmal auch Flugzeuge ein. Mit privaten Unternehmen seien dafür Verträge geschlossen worden, teilte Ministeriumssprecher Heiko Homburg mit. Die Zahl eigener Polizeihubschrauber reiche für solche großen Einsätze nicht aus. Außerdem werden die Feuerwachtürme besetzt. Auf einigen Anlagen übernehmen Kameras die Rund-um-Beobachtung. Mit ihrer Infrarottechnik reagieren sie auf Wärmequellen und lösen automatisch Alarm bei der Feuerwehr aus. Nicht selten werden noch in zehn bis zwölf Meter Höhe mehr als 40 Grad Celsius gemessen.

Am stärksten sind die Wälder im Süden des Landes gefährdet. Hier dominiert auf den ehemaligen Tagebauflächen die Kiefer, die im Unterschied zu Laubbäumen weniger Flüssigkeit speichert. Außerdem wird hier das Unterholz eine leichte Beute der Flammen. Nur langsam kommt der Waldumbau voran, durch den die jetzige Kiefern-Monokultur der Vergangenheit angehören soll. Ziel ist der Mischwald auf mindestens zwei Dritteln der Flächen.

Höchste Gefahr geht in Brandenburg erfahrungsgemäß von den ehemaligen Truppenübungsplätzen aus. Bei Bränden können die Feuerwehren aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen zu den Brandherden vorstoßen. Noch sind längst nicht alle Blindgänger oder Munitionsreste geborgen oder wenigstens gekennzeichnet. Im vergangenen Jahr kam es beispielsweise durch Waldbrände zu mehreren Explosionen in den Wäldern bei Märkisch Buchholz und Halbe. Hier hatte am Kriegsende eine der letzten großen Kesselschlachten getobt. "Manchmal genügt eine Glasscherbe am Boden, um einen Brand und damit eine Explosion der alten Granaten auszulösen", schilderte damals ein Fachmann die Schwierigkeiten. Deshalb gibt es in solchen Gebieten, die ohnehin meist nur auf gekennzeichneten Wegen durchquert werden dürfen, am ehesten eine Vollsperrung.

Dennoch gehören Selbstauslösungen von Feuern zu den Seltenheiten. Das größte Risiko stellt nach wie vor der Mensch dar. Die aus dem Auto geworfene noch glimmende Zigarettenkippe nimmt bei den Brandursachen den Spitzenplatz ein. Die Deutsche Bahn AG warnt Reisende bereits vor dem Herauswerfen von Zigaretten aus fahrenden Zügen. Auch so genannte Feuerteufel treiben in heißen Tagen wieder ihr Unwesen. Im Vorjahr ermittelte die Polizei im Raum Erkner einen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr als Brandstifter in mehreren Fällen. Wie in anderen Fällen verriet sich der Mann selbst. Er war stets als einer der Ersten am Brandort.

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