Braunkohletagebau : Vattenfall baggert weiter in der Lausitz

Der Energiekonzern Vattenfall hat seine Braunkohle-Pläne für die Lausitz bekannt gegeben. Langfristig sollen drei neue Tagebaue erschlossen werden. Etwa 900 Menschen müssen dafür ihre Heimatdörfer verlassen.

Susann Fischer[ddp]

PotsdamDer Konzern will im brandenburgischen Teil der Lausitz weitere 700 Millionen Tonnen Braunkohle fördern. Konzernpräsident Lars G. Josefsson und Europachef Hans-Jürgen Cramer erläuterten, wer bei den Plänen die Verlierer seien: Auf dem Gebiet liegen drei Lausitzer Dörfer, die den Baggern weichen müssten. Die Landesregierung knüpft die Planungen unter anderem an die Bedingung, dass die Kohle ab 2020 mit einer neuen Kraftwerkstechnologie CO2-arm verstromt werden kann. Umweltverbände, Grüne und Linke lehnen den Aufschluss weiterer Tagebaue generell ab. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus begrüßte dagegen die Planungen.

Von den Vattenfall-Plänen wären nach Angaben von Josefsson und Cramer rund 900 Menschen in den Gemeinden Atterwasch, Grabko und Kerkwitz betroffen. Sie sollten zugunsten des geplanten Tagebaus Jänschwalde-Nord sozialverträglich umgesiedelt werden. Weitere Braunkohlefelder sollten bei Spremberg und Bagenz erschlossen werden. Dafür seien keine Umsiedlungen nötig. Cramer betonte, die Braunkohle sichere im wesentlichen Maße die Wirtschaftskraft der Lausitz. Aktuell beschäftige Vattenfall in der Region 5000 Menschen. Hinzu kämen Tausende indirekte Arbeitsplätze. Vattenfall habe 2006 Waren und Dienstleistungen im Wert von 435 Millionen Euro bei Brandenburger Unternehmen eingekauft. Dennoch sei das Thema Bergbau sensibel. Deshalb seien aus einer Studie zum Braunkohle-Potenzial in der Lausitz sorgfältig nur drei von sieben möglichen Tagebau-Standorten ausgewählt worden. Statt 33 wären nur drei Dörfer, statt 11.000 nur 900 Menschen betroffen.

Jänschwalde-Nord könnte Vattenfall zufolge ab 2028 etwa 20 Jahre lang insgesamt rund 200 Millionen Tonnen Kohle liefern. Die Umsiedlung der Dörfer soll acht bis zehn Jahre vorher abgeschlossen werden. Entsprechende Anträge für bergbaurechtliche Genehmigungen werden 2008 eingereicht werden. 2015 sollen die Anträge für die beiden anderen Tagebaue vorgelegt werden. Vattenfall will dort ab 2035 mit der Förderung von Kohle beginnen. Josefsson unterstrich, Vattenfall sehe sich in einer globalen Verantwortung für den Klimaschutz. Langfristig sei die Kohleverstromung nicht ohne neue, CO2-arme Technik möglich. Deshalb arbeite der Konzern intensiv an der Entwicklung der Technologie. Dabei spiele die Lausitz eine zentrale Rolle. Dort entstehe die weltweit erste Pilotanlage für die Technik. Am bisherigen Kraftwerksstandort Jänschwalde solle spätestens 2015 ein 300-Mega-Watt-Block klimafreundlichen Strom erzeugen. Der Konzern investiere ein bis zwei Milliarden Euro in die Entwicklung der Technik, fügte Josefsson hinzu.

Landespolitiker: Noch keine Genehmigung erteilt

Platzeck betonte, damit bleibe Brandenburg ein wichtiges Innovationslabor in Sachen Energie. Das Land sei bereits auf dem Feld der regenerativen Energien Vorreiter. Die Belastung der Bevölkerung durch Umsiedlungen werde so gering wie möglich gehalten. Platzeck fügte hinzu, es seien noch keine Entscheidungen gefallen. Die Genehmigungsverfahren für den Bergbau nähmen Jahre in Anspruch. Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) betonte, die Pläne könnten für zwei Generationen Zukunft in der Lausitz sichern. Das wirtschaftliche Image der Region werde gestärkt. Ein Sprecher der IHK Cottbus wertete die Planungen als nachdrückliches Bekenntnis von Vattenfall und Landesregierung zum Energiestandort Lausitz. Die Verstromung heimischer Braunkohle besitze endlich eine langfristige Perspektive. Die Branche sei das industrielle Rückrat der Region.

Sprecher von Grünen, Linken und Umweltverbänden forderten dagegen einen Ausstieg aus der Braunkohle. Sie äußerten Zweifel an der Funktionsfähigkeit der neuen Technik. Zugleich bekräftigten sie, dass die Volksinitiative gegen den Aufschluss neuer Tagebau wie geplant Anfang Oktober starte.

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