Briefzustellung : Springer übernimmt Mehrheit der Pin AG

Der Axel Springer Verlag hat die Mehrheit des Briefzustellers Pin AG übernommen. Springer will in absehbarer Zeit ein Drittel seines Umsatzes in der Branche erwirtschaften.

Pin AG
Der Springer-Verlag übernimmt die Mehrheit der Pin AG. -Foto: ddp

Die Axel Springer AG forciert ihr Engagement im Postgeschäft. Der Medienkonzern übernimmt für rund eine halbe Milliarde Euro die Mehrheit am Postdienstleister Pin Group und will sich so vor dem Ende des Briefmonopols der Deutschen Post zum 31. Dezember 2007 auf dem Markt positionieren. "Dieses Geschäft wollen wir zu einer weiteren starken Säule von Axel Springer entwickeln", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. Eine Sprecherin ergänzte auf Anfrage, das Geschäft mit Postdienstleistungen könnte künftig rund ein Drittel der Springer-Umsätze ausmachen. Einen genauen Zeitrahmen nannte sie allerdings nicht.

Neben der Pin Group gilt TNT Post als stärkster Konkurrent der Deutschen Post. TNT, der Süddeutsche Verlag und die Münchner Ippen-Verlagsgruppe waren erst vor wenigen Tagen eine "strategische Allianz" eingegangen.

Holtzbrink und Rosalia bleiben dabei

Springer stockt seinen Anteil an dem Luxemburger Unternehmen zunächst von 23,5 Prozent auf 71,6 Prozent auf. Die Anteile kommen von den Mitgesellschaftern WAZ-Mediengruppe, der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Rosalia AG, die aber als Kooperationspartner mit Minderheitsanteilen im Boot bleiben wollen. "Wir haben es hier nicht mit der Situation zu tun, dass Altgesellschafter Kasse machen. Alle bleiben an Bord. Es sollte nur ein Gesellschafter die klare Unternehmensführung haben", sagte die Sprecherin. Der Kaufpreis liegt bei 510 Millionen Euro. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen.

Im Laufe des Jahres sollen weitere Regionalzeitungsverlage ihr Postgeschäft einbringen. So will beispielsweise die West Mail Holding GmbH, ein Joint Venture von DuMont Schauberg, der Mediengruppe Rheinische Post und des Verlags W. Girardet, Gesellschafter bei Pin werden. Der Springer-Anteil wird sich dadurch voraussichtlich wieder auf 63,7 Prozent reduzieren. Laut Springer erreicht die Pin Group gegenwärtig rund 96 Prozent der deutschen Haushalte. Zunächst soll sich das Geschäft auf den deutschen Markt konzentrieren. "Wir schließen weitere Schritte ins Ausland aber nicht aus", sagte die Sprecherin. Konkrete Pläne gebe es hier allerdings noch keine.

Verdopplung des Umsatzes angepeilt

Die im Jahr 2005 gegründete Pin Group AG bündelt die Post-Aktivitäten der Verlage, die so vorhandene Zustellstrukturen besser nutzen wollen. Die Pin-Gruppe verfügt über mehr als 60 regionale Tochterunternehmen und beschäftigte zuletzt mehr als 7000 Menschen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 168,3 Millionen Euro. In diesem Jahr sind Erlöse in Höhe von 350 Millionen Euro angepeilt, bis 2015 soll der Umsatz auf 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro anschwellen.

Nach der gescheiterten Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 im vergangenen Jahr sieht sich Springer verstärkt nach alternativen Investments um. So verstärkte sich der Konzern unter anderem im Printbereich in der Schweiz, baute seine Online-Aktivitäten aus und stieg bei der türkischen Sendergruppe Dogan TV ein. (mit dpa)