BRITPOPPaul Weller : Eine Frage des Stils

Jörg Wunder

Kann der nicht auch mal was in den Sand setzen? Vielleicht mal mit einer richtig miesen Frisur rumlaufen? Oder wenigstens eine schrottige Platte aufnehmen? Ist bei Paul Weller alles undenkbar. Der Britpop-Übervater ist im Mai 50 geworden. Er sieht nicht nur unverändert blendend aus, er gibt sich auch musikalisch keinerlei Blöße. Seine erste Band The Jam gehört sowieso zum Weltkulturerbe: Als die sich 1982 nach sechs großartigen Alben auflösten, war Weller gerade mal 24. Nehmt das, Arctic Monkeys! Und selbst die oft geschmähten Style Council waren mit ihrem in schnöseligem Hipster-Pop verpackten Salonmarxismus eine der bestmöglichen Antworten auf die hartherzige Thatcher- Ära. In seiner Solokarriere wurde der Modfather nicht nur zur Leitfigur der Oasis-Generation, er wurde eigentlich auch immer besser.

Sein neuntes Studioalbum „22 Dreams“ ist sogar weit mehr als die routinierte Edelkost, die der alte Charmeur in den letzten Jahren aufgetischt hat. Tatsächlich sind unter den 21 Songs sogar ein paar Nieten wie die ziellosen Instrumentals „Song for Alice“ oder „Night Lights“. Irgendwie wird man aber den Verdacht nicht los, das Schlitzohr hätte sie nur eingestreut, um die Klasse herausragender Songs wie „Cold Moments“ oder „Empty Rings“ umso deutlicher aufblitzen zu lassen. Mit seinem überbordendem Stilreichtum ist „22 Dreams“ so etwas wie Wellers „White Album“. Und damit ein weiteres Juwel in der Krone des Britpop-Königs. Jörg Wunder

Columbiahalle, Di 7.10.,

21 Uhr, 30 € + VVK

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