Bruderstreit : Wer führt die arabische Welt?

Zwischen Saudi-Arabien und Syrien ist ein Streit um die Führungsrolle in der arabischen Welt ausgebrochen. Syrien verfolge mit seiner Außenpolitik "bösartige Absichten". Beide Seiten werfen sich eine falsche Politik in der Palästinenserfrage vor.

RiadZwischen der syrischen Regierung und dem Herrscherhaus von Saudi-Arabien ist ein Streit um die Führungsrolle in der arabischen Welt entbrannt. Ein Regierungssprecher in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad warf Syrien in einer verbreiteten Erklärung vor, es versuche, die Region zu destabilisieren und Chaos zu verbreiten. "Sie glauben, dass sie die arabische und muslimische Nation täuschen können, doch ihre Taten sind der Beweis für ihre bösartigen Absichten", hieß es in der Erklärung weiter. Dem syrischen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa warf das Herrscherhaus vor, er verbreite "Lügen" über Saudi-Arabien.

Al-Scharaa hatte am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Damaskus erklärt, Saudi-Arabien spiele keine aktive Rolle in der regionalen Politik. Das islamische Königreich sei in seiner Außenpolitik wie gelähmt und habe es deshalb auch nicht geschafft, die rivalisierenden Palästinenserfraktionen Hamas und Fatah zu einer dauerhaften Einigung zu bewegen.

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Syrien sind seit dem Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar 2005 stark abgekühlt. Der Milliardär Hariri war ein Vertrauter der Herrscherfamilie von Saudi-Arabien. Die syrische Führung steht im Verdacht, an der Planung des Attentats beteiligt gewesen zu sein. In der Regierungserklärung aus Riad hieß es, die Meinungsverschiedenheiten mit der syrischen Führung änderten aber nichts an den "brüderlichen Beziehungen zwischen den Völkern Syriens und Saudi-Arabiens". (mit dpa)