Der Tagesspiegel : BSE: "Ich esse Rindfleisch und freue mich schon auf die Rouladen"

Die Bevölkerung ist hochgradig verunsichert

Wolfgang Birthler, Umwelt- und Agrarminister in Brandenburg, will zum 1. Dezember Schnelltests zur BSE-Früherkennung einführen.

Die Bevölkerung ist hochgradig verunsichert, seitdem auch in Deutschland BSE-Fälle festgestellt worden sind. Sollten die Verbraucher weniger Fleisch essen, um sich zu schützen?

Das muss jeder für sich entscheiden: Ich esse nach wie vor Rindfleisch und freue mich schon auf Mittwoch. Da gibt es zu Hause Rouladen. Allerdings kommen diese von Fleischrindern aus extensiver Haltung im Nationalpark Unteres Odertal. Die stehen das ganze Jahr draußen auf der Weide.

Können Sie garantieren, dass in brandenburgischen Ställen kein BSE-infiziertes Rind steht?

Nein, das kann leider niemand.

Wie kann der Verbraucher geschützt werden?

Wir haben frühzeitig durchgesetzt, dass jedes BSE-gefährdete Tier - das auffällt, das nervös ist - nach dem Schlachten intensiv untersucht wird. Diese Tests müssen jetzt drastisch erweitert werden. Aus meiner Sicht sind flächendeckende Tests bei allen Schlachttieren - und zwar so schnell wie möglich - die einzige Möglichkeit, um BSE zu verhindern.

Bis wann kann dies in Brandenburg umgesetzt sein?

Für die Hälfte der Schlachttiere im nächsten Jahr. Schneller geht es nicht, weil Labor- und und Personalkapazitäten begrenzt sind. Ich hoffe allerdings, dass auch durch diesen Druck die Wissenschaft zügiger Tests für lebende Tiere entwickelt. Das wäre eine riesige Hilfe.

Und das Tiermehlverbot?

Für Rinder ist es ja schon verboten. Tiermehl ist zwar ein hochwertiges Eiweiß, und die Tierkörperbeseitigungsanlagen in Deutschland sind sehr gut. Aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, weil die Übertragungswege von BSE nicht geklärt sind. Allerdings sind vernünftige Übergangsregelungen nötig. Ich würde empfehlen, dass Restbestände noch verfüttert werden dürfen.

Soll es weiter möglich sein, Fleischknochenmehl zu verfüttern?

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Welche Auswirkungen werden die Beschränkungen auf die Brandenburger Landwirtschaft haben?

Hoffentlich nicht allzu große. Aber die Öffentlichkeit ist mit Recht sensibilisiert, was sich auf das Verbrauchsverhalten auswirken wird. Wenn wir die Tests einführen, wird das Kilo Rindfleisch um 30 bis 40 Pfennig teurer. In der Vergangenheit wurden solche Kosten auf die Bauern abgewälzt. Dass können sie nicht mehr verkraften.

Wieviele Brandenburger leben vom Rind?

Die Hälfte der 34 000 Beschäftigten in der Landwirtschaft sind mit der Rindfleisch- oder Milchproduktion beschäftigt.

Könnten Betriebe in ihrer Existenz bedroht werden?

Das kann man noch nicht sagen.

Können die Bauern mit Ausgleichszahlungen rechnen?

Nein.

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