Buback-Fall : RAF-Häftling: Zweimaliger Todesschütze?

Im Mordfall an Generalbundesanwalt Siegfried Buback dauern die neuen Ermittlungen an: Das frühere RAF-Mitglied Stefan Wisniewski ist im Visier der Bundesanwaltschaft. Unterdessen beantragte die Behörde Beugehaft für die anderen Ex-RAF-Häftlinge.

Karlsruhe"Wir sind auf halber Strecke", sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum bei der Jahrespressekonferenz der Bundesanwaltschaft . Die Auswertung alter DNA-Spuren aus der von den Tätern getragenen Motorradkleidung habe ergeben, dass Wisnieswki am Mord an Buback und dessen beiden Begleitern hätte beteiligt gewesen sein können. Zudem lägen dem Bundesamt für Verfassungsschutz Informationen vor, dass Wisniewski der Schütze gewesen sein soll.

Hoffnung auf DNA-Test mit Wisniewskis Blut

Die Herausgabe dieser Akten verweigere die Behörde laut Giesbaum aber bislang aus Gründen des Quellenschutzes. Die Karlsruher Bundesanwälte hatten zwar Einsicht erhalten in eine "Fallakte" und einen "Auswerterbericht". Die Informationen müssten aber freigegeben werden, damit sie in einem möglichen Strafverfahren verwendet werden können: "Allein die Aussage, Wisniewski habe geschossen, bringt uns wenig", sagte Griesbaum. Die Bundesanwaltschaft will nötigenfalls eine Freigabe der Akten beim Bundesinnenministerium beantragen.

Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Behörde nun aus einem DNA-Test des Blutes von Wisniewski. Solch eine Untersuchung wurde laut Griesbaum vom Ermittlungsrichter inzwischen angeordnet. Spekulationen, dass womöglich die frühere RAF-Teroristin Verena Becker die Todesschützin war, haben sich laut Griesbaum nicht bestätigt. Genetische Mischspuren im Motoradhelm deuteten nur darauf hin, dass unter den Trägern auch eine Frau gewesen sein könnte.

Erzwungene Aussagen von anderen RAF-Mitgliedern

Unergiebig war der Behörde zufolge die Befragung von elf ehemaligen RAF-Terroristen als Zeugen, weil sie alle die Aussage verweigerten. Gegen vier von ihnen, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt, Knut Volkerts und Günther Sonnenberg, stellte die Behörde zwischenzeitlich beim Ermittlungsrichter einen Antrag auf Beugehaft, um die Aussage zu erzwingen. Wann darüber entschieden werde, sei noch offen, sagte Griesbaum.

Die Ermittlungen gegen Wisniewski waren im April aufgenommen worden, nachdem der Ex-RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock gegenüber Michael Buback, dem Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, den Verdacht auf Wisniewski gelenkt hatte. Bislang unbekannte Aussagen von Verena Becker sollen diesen Verdacht decken. Becker soll die Angaben bereits 1980 gegenüber dem Verfassungsschutz gemacht haben.

Wisniewski war wegen der Entführung und Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer vom Herbst 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt worden und ist seit 1999 auf freiem Fuß. Im Zusammenhang mit dem Buback-Mord wurde damals nicht gegen ihn ermittelt. Ihm droht deshalb ein weiterer Mordprozess, falls sich die Indizien gegen ihn verdichten sollten. (liv/AFP)