Buchmesse : In Frankfurt dreht sich nicht alles nur um Bücher

Der erste Tag der Frankfurter Buchmesse ist in vollem Gange: Arnim Mueller-Stahl hat den Brockhaus-Buchrücken neu gestaltet, die katalanische Kultur präsentiert sich erstmals und wussten Sie schon, was die "Leselotte" ist?

Buchmesse Frankfurt
Bunter Brockhaus. Mehrere hundert Besucher drängen sich vor den von Schauspieler Armin Mueller-Stahl mit farbigen Skizzen...Foto: dpa

Frankfurt (Main)Nachdem die größte Bücherschau der Welt am Morgen ihre Tore geöffnet hatte, dauerte es nicht lange, bis sich Zehntausende Fachbesucher aus aller Welt mit Trolleys, Rucksäcken, Hand- oder Aktentaschen durch die teils engen Gängen der sechs Messehallen schoben. Das ganz große Gedränge blieb am ersten Messetag aber noch aus, traditionell ist der Donnerstag der am besten besuchte Tag.

Der Ehrengast "Katalanische Kultur" präsentierte sich erstmals, außerdem wurde von der deutschen Buchbranche eine Online-Plattform für Bücher vorgestellt. Auf großes Interesse der Fachbesucher stieß Armin Mueller-Stahls Präsentation einer von ihm gestalteten Sonderedition der Brockhaus-Enzyklopädie im Innenhof des Messegeländes. Dichtes Gedränge herrschte im Filmforum, als Thomas Gottschalk mit Martin Walser über Literatur und die Verfilmung von dessen Buch "Ein fliehendes Pferd" diskutierte.

Großes Treffen der ehemaligen Außenminister

Menschentrauben umlagerten Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer, der in Halle 6.1. den Interview-Marathon mit der Vorstellung seines Buch "Die rot-grünen Jahre" auf dem "blauen Sofa" eröffnete. Mehr als 70 meist namhafte Autoren stellen sich bis Sonntag auf dem Dreisitzer den Fragen der Journalisten von ZDF und der "Süddeutschen Zeitung". Fischers Vorvorgänger im Amt, Hans-Dietrich Genscher, saß in der ersten Reihe als sein früherer sowjetischer Amtskollege Eduard Schewardnadse sein neues Buch vorstellte. Der amtierende Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wollte am Nachmittag mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern über "Träume für Deutschland" diskutieren.

Unter den Besuchern aus der Politik waren außerdem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der sein neues Buch im Gepäck hatte. Rund 1000 Autoren haben sich für die 2500 Veranstaltungen auf der fünftägigen Messe angekündigt. Am ersten Tag lasen oder diskutierten unter anderem der Bestseller-Autor Bodo Kirchhoff, der Komödiant Dieter Nuhr, der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer, Büchner-Preisträger Martin Mosebach und "Tatort"- Kommissar Boris Aljinovic.

Am Stand der katalanischen Verlage drängte sich viel politische Prominenz aus Barcelona und dem kleinen Staat Andorra, in dem Katalanisch gesprochen wird. Trotz der schlechten Beleuchtung zog die Präsentation viele Besucher an, die es sich in Ohrensesseln bequem machen konnten.

Preise für Hörbücher sinken

Unter den rund 400.000 Produkten, die 7448 Aussteller aus 108 Ländern mit nach Frankfurt gebracht haben, finden sich längst nicht nur Bücher und Hörbücher. Die dargebotene Palette reicht von Kinderspielen über Karten und Kalender bis zu Kunstwerken. In Halle 4.1. kann eine "Leselotte" ausprobiert werden, ein mit Styroporkugeln gefülltes Kissen, das allen als Lesehilfe dienen soll, die am liebsten im Bett schmökern. Wer dagegen lieber am Tisch oder beim Kochen liest, kann auf Liegestühlen nachempfundenen "bookchairs" entspannen. Licht in dunkle Lese-Ecken bringt eine auch ans Taschenbuch klemmbare LED-Buchleuchte.

Die deutsche Buchbranche startete nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung ihre Online-Plattform "Libreka", über die Inhalte von Büchern künftig online recherchiert werden können. Verlagen und Buchhändlern soll sie zugleich den Handel leichter machen. Zunächst sind nach Darstellung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 8000 Bücher erfasst. Gute Nachrichten gab es für Freunde des Hörbuchs. Die Preise sinken, der Durchschnittspreis liegt 2007 mit 13,60 Euro fast zwei Euro niedriger als im Vorjahr. (mit dpa)