Der Tagesspiegel : Buckow: Die Buhmänner der Märkischen Schweiz

Claus-Dieter Steyer

Die Botschaft ist deutlich - und weltweit abrufbar: "Schluss mit dem grünen Terror in der Märkischen Schweiz! Schluss mit dem Familienclan Grützmacher in der Naturparkverwaltung!", heißt es unter www.kurstadt-buckow.de .

Seit mehr als einem Jahr tobt ein erbitterter Streit zwischen den 1700 Einwohnern des kleinen Örtchens Buckow und Gerhard Grützmacher, dem Chef der Naturparkverwaltung. Dabei geht es um die aus vielen Naturschutzgebieten bekannten Konflikte. Wie groß dürfen die Einschränkungen für Bauwillige, Gewerbetreibende oder Ausflügler in sensiblen Gegenden sein? Den Einwohner von Buckow geht der Einfluss der Naturparkverwaltung viel zu weit. Alles müsse mit ihr abgesprochen werden, ärgert sich Reinhard Habo, Inhaber des Ausflugsrestaurants "Fischerkehle". Ria Sommerschuh, Chefin des Fremdenverkehrsvereins, hat ebenfalls Probleme mit der von Grützmacher geführten Verwaltung. Vor allem der für ein Ausflugsziel wie die Märkische Schweiz notwendige Bau von Rad- und Wanderwege werde massiv behindert. Auch Bürgermeister Hans-Ulrich Schulze ist sauer. "Überspitzter Naturschutz" sei der "Totengräber regionaler Wirtschaftsentwicklung". Die Naturparkverwaltung behindere mit ihren vielen Einsprüchen gegen Bauvorhaben Buckows Weg zum anerkannten Kurort, meint er.

Selbst die Landesregierung hat inzwischen in den Konflikt eingegriffen, einen Runden Tisch initiiert, den aber Manfred Dosdall, Chef der Interessengemeinschaft Märkische Schweiz, lediglich für ein Feigenblatt hält. "Wir sitzen zwar zusammen, aber hinter dem Rücken geht die Verweigerungstaktik weiter", sagt Dosdall. Es fehle beispielsweise ein kompetenter Vertreter des Umweltministeriums am Tisch. In einem Brief an Regierungschef Stolpe hat die Bürgerinitiative deshalb angesichts der "schwierigen wirtschaftlichen und durch Abwanderung gekennzeichneten Situation" die Auflösung des Naturparks gefordert.

Ein Vergleich mit anderen Naturregionen hilft nur bedingt: Die Märkische Schweiz wurde mit dem Einigungsvertrag in ein Nationalparkprogramm aufgenommen, das besonderen Schutz garantiert. Der bis heute gültige Paragraph 9 der Verordnung des DDR-Ministerrates verlangt "Einvernehmen mit der Naturparkverwaltung" unter anderem bei der Aufstellung von Bauplänen. Für Manfred Dosdall ist das ein Verstoß "gegen die kommunale Selbstverwaltung". Deshalb sollten die 1990 getroffenen Regelungen aufgehoben werden.

Naturparkchef Grützmacher sagt, dass die umstrittene "Einvernehmlichkeitsregelegung" schon lange nicht mehr angewandt werde. Er sieht sich nicht als Bau-Verhinderer: "Wir schreiben nur unsere Stellungnahmen zu Bauvorhaben." Die Entscheidung liege beim Ministerium: "Doch wir sind und bleiben wohl die Buhmänner für alle Probleme."

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