Bücherfernsehen : Elke Heidenreich verlegt "Lesen!" ins Internet

Nach ihrem Streit mit dem ZDF kehrt Elke Heidenreich dem Fernsehen nun ganz den Rücken. Ihre Literatur-Show "Lesen!" wandert ins Internet ab.

Elke Heidenreich Lesen Foto: Screenshot
Elke Heidenreich und ihr neues Zuhause: das Internet sei "das Medium der Zukunft". -Foto: Screenshot

KölnNach ihrem Rauswurf beim ZDF verlegt Elke Heidenreich (65) ihre Literatursendung "Lesen!" ins Internet. Künftig will sie jeden Monat eine neue Ausgabe bei Litcolony präsentieren. Nach einiger Zeit werde sie dort bestimmt mehr Zuschauer haben als bisher im Fernsehen, sagte sie am Freitag in Köln. Hinter der Website stehen die Organisatoren des Kölner Literaturfestivals lit.cologne. Das neue Literaturportal wird über Werbung und den Verkauf von Büchern finanziert.

Das ZDF hatte sich von Heidenreich getrennt, nachdem diese gesagt hatte, sie schäme sich, für den Mainzer Sender zu arbeiten. Ihre Kritik sei "vielleicht zugegeben etwas zu krass" gewesen, gab sie am Freitag zu. Sie bedaure aber nichts. Insgesamt sei sie erleichtert, dass der ständige Ärger mit dem ZDF nun vorbei sei. "Das ZDF ist einfach ein Sender mit ganz festgefahrenen Strukturen, wo seit Jahren dieselben Sachen zu denselben Zeiten laufen", bemängelte sie.

Heidenreich hatte seit längerem einen besseren Sendeplatz für "Lesen!" gefordert. "Anfang Oktober bin ich explodiert und habe gesagt: Dann hör ich am Jahresende auf." Es seien also sowieso nur noch zwei Sendungen geplant gewesen. "Dann kam der Rausschmiss, den ich völlig idiotisch fand." Zu Marcel Reich-Ranicki, der sich von der Form ihrer Kritik am ZDF und auch an Thomas Gottschalk distanziert hatte, sagte sie: "Über Marcel Reich-Ranicki ist gar kein Wort mehr zu verlieren, dieses Nachtreten, das müssen wir jetzt nicht mehr kommentieren."

"Mit dem Fernsehen irgendwie fertig"

Nach dem Rauswurf habe sie mehrere Angebote bekommen, auch von öffentlich-rechtlichen Sendern. "Das Schweizer Fernsehen hat mir eine Literatursendung angeboten." Mit dem Fernsehen sei sie nun aber irgendwie fertig. Auf die Idee, ihre Sendung ins Internet zu verlegen, habe sie anfangs skeptisch reagiert. Jetzt sei sie aber voll überzeugt, denn das Internet sei "das Medium der Zukunft". Jeder könne sich "Lesen!" nun anschauen, wann er wolle. Litcolony sei außerdem sehr professionell gemacht. Die Betreiber haben nach eigenen Angaben bis zum Start eine halbe Million Euro investiert.

Das Konzept, der Name und sogar die Musik von "Lesen!" blieben gleich, weil alle Rechte bei ihr lägen, sagte Heidenreich. Der einzige Unterschied sei, dass die Sendung nun in ihrer Stammkneipe "Backes" in der Kölner Südstadt aufgezeichnet werde. Immer in der ersten Woche eines Monats soll die neue Ausgabe freigeschaltet werden. Gute Literatur zu empfehlen, sei ihr einfach ein Bedürfnis: "Ich will nicht um jeden Preis ein öffentlicher Mensch sein, aber ich will die Menschen ans Lesen bringen." (goe/dpa)