Bühne : Der neue Pollesch: Familie und Theater

Gespannt wurde das neue Stück "Die Welt zu Gast bei reichen Eltern" des Autors und Regisseurs René Pollesch von Theaterfans erwartet. Nun feierte es am ehrwürdigen Thalia Theater in Hamburg seine Premiere.

Hamburg "Die Welt zu Gast bei reichen Eltern", das jüngste Werk des Dramatikers René Pollesch, ist am Donnerstagabend in Hamburg mit viel Beifall im Thalia in der Gaußstraße uraufgeführt worden. Es war das erste Mal, dass der 45-jährige Erfolgsautor und Regisseur, der unter Intendant Tom Stromberg Hausautor am Hamburger Schauspielhaus war, am Thalia Theater inszeniert hat. Pollesch, der sich in seinen Stücken vor allem mit der Durchdringung aller Lebensbereiche vom ökonomischen Prinzip beschäftigt, hat sich diesmal zwei der letzten noch nicht durchökonomisierten Bereiche des Lebens vorgenommen: die Familie und das Theater.

Wenn schon "draußen" alles nach den Regeln des Marktes funktioniert, dann muss es doch wenigstens "drinnen" wahre Werte geben. Darüber diskutieren in einer wohligen 50er-Jahre-Küche in Pastellfarben (Bühne und Kostüme: Janina Audick) fünf Familienmitglieder in Pollesch-Manier wild durcheinander und in wechselnden Rollen. "Wir müssen hier nicht produktiv sein, wir sind hier zu Hause", stellt der Sohn (Felix Knopp) erleichtert fest, der nach einer gescheiterten Karriere nach Hause zurückkehrt. "Er ist ein Geschenk des Lebens, auch wenn er mich ruiniert", stellt darauf sein Vater (Jörg Pose) resigniert fest.

Ob die Familie, "die den Sozialismus überlebt hat", auch den Kapitalismus überleben wird, darüber sind sich nicht alle einig. "Familie, das ist doch nicht nur Mord und Totschlag, das ist auch Kälte und Einsamkeit", meint die Tochter (Anna Blomeier) und rechnet ihren verdutzten Eltern erst einmal vor, was sie alles für sie geleistet hat. "Zu Lieben ist großartig. Hättest es ja mal mit mir probieren können", meint die Mutter (abwechselnd Katrin Wichmann/Judith Hofmann). Gleich darauf wirft ein anderes Familienmitglied in den Raum: "Was hat denn Abhängigkeit mit Liebe zu tun?". Aufgelockert werden die witzigen und ebenso tiefgründigen Rededuelle durch amüsante Szenen auf der Drehbühne, bei denen abwechselnd zusammen gebügelt, getoastet oder geküsst wird. (mit dpa)