Bühne : Dieter Wedel will "Jud Süß" inszenieren

Wie Dieter Wedel möchte den Stoff des Romans "Jud Süß" als Regisseur bearbeiten. Ob als TV-Format für das ZDF oder als Festspielprojekt in einer Theaterfassung war bisher offen. Wahrscheinlich ist nun eine Inszenierung bei den Nibelungen-Festspielen - Wedel ist dort Intendant.

HamburgDie vom Regisseur Dieter Wedel ins Auge gefasste Inszenierung des "Jud Süß"-Stoffs nach Lion Feuchtwanger ist zunächst als Theaterprojekt für die Nibelungen-Festspiele in Worms gedacht. Das stellte Wedel nach Meldungen über eine geplante Verfilmung für das ZDF klar. Er sei mit zwei Autoren im Gespräch über die Frage, ob und wie sich Feuchtwangers Roman aus dem Jahr 1925 dramatisieren lasse, sagte Wedel. In Frage käme eine Aufführung in Worms frühestens im Jahr 2010.

Wedel hatte seinen Vertrag als Intendant der Nibelungen-Festspiele kürzlich bis Ende 2011 verlängert. Sollte man feststellen, dass sich der Stoff nicht für eine Theaterfassung eigne, käme auch eine Bearbeitung für Film oder Fernsehen in Frage, sagte Wedel. Darüber habe er auch schon mit ZDF- Intendant Markus Schächter gesprochen.

Der Stoff Jud Süß über das Leben des 1738 hingerichteten württembergischen Finanzmanns Joseph Süß-Oppenheimer bietet sich für Wedel unter anderem deshalb an, weil er ebenso wie die Nibelungensage von den Nazis "auf den Kopf gestellt und missdeutet" worden sei. Der Filmtitel "Jud Süß" ist durch den antisemitischen Film von Veit Harlan aus dem Jahr 1940 belastet, den Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels persönlich in Auftrag gegeben hatte. Harlans Film fußt jedoch nicht auf Feuchtwangers Roman. (mit dpa)