Bürgerkrieg : Dauerhafte Lösung der Kongo-Krise gesucht

Vorerst hat sich die Lage in der umkämpften Stadt Goma beruhigt, aber es sind immer noch 30.000 Flüchtlinge zwischen den Rebellen und Regierungstruppen eingeschlossen. Menschenrechtsgruppen fordern mehr UN-Truppen, die Bundesregierung will unterdessen eine dauerhafte Lösung der Krise erreichen.

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Der Waffenstillstand verschafft den Flüchtlingen eine Verschnaufpause. Rebellenführer Nkunda will eine Versorgung der fliehenden...Foto: dpa

Goma, Berlin, Neu DelhiNach schweren Kämpfen zwischen Rebellen und Armee im Osten des Kongo hat sich die Lage in der umkämpften Stadt Goma am Freitag vorerst beruhigt. Der von den Rebellen ausgerufene Waffenstillstand werde eingehalten, berichtete ein Journalist und der Kommandeur der UN-Truppen, Samba Tall. Auch ein Mitarbeiter der französischen Botschaft sprach in Goma von einer Beruhigung der Lage. In den Straßen seien wieder Motorradtaxis unterwegs, sagte Botschaftsrat Bernard Sexe. In der Nacht habe es aber Plünderungsversuche gegeben. Am Freitag wollte sich der Leiter der UN-Mission im Kongo, Alan Doss, ein Bild von der Lage in Goma machen. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen wurde die US-Afrikabeauftragte Jendayi Frazer in der Stadt erwartet.

Die Menschenrechtsliga in der Region der Großen Seen (LDGL) forderte unterdessen eine Aufstockung der UN-Truppen in der Demokratischen Republik Kongo. Die Entsendung einer zusätzlichen EU-Truppe sei dagegen nicht angebracht, teilte die LDGL in der ruandischen Hauptstadt Kigali mit. Der Menschenrechtsorganisation gehören Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo an.

Bundesregierung will Lösung der Kongo-Krise unterstützen

Trotz der Beruhigung der Lage wird die humanitäre Lage für die Menschen nach wie vor als sehr kritisch bewertet. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, dass man die "Entwicklung mit großer Sorge" verfolge. Für humanitäre Hilfe habe das Außenministerium noch einmal rund eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt. Die Bundesregierung unterstützt die Suche nach einer dauerhaften politischen Lösung der Krise in Form einer Waffenstillstandsvereinbarung. An der weltweit größten internationalen Friedensmission beteiligt sich Deutschland in diesem Jahr nach Abgaben des Sprechers mit 67,5 Millionen Euro.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich erneut "tief besorgt" über die Krise im Kongo gezeigt und Rebellengeneral Laurent Nkunda zum Dialog aufgerufen. Bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi forderte Ban Nkunda am Freitag dazu auf, die von dem Rebellenchef ausgerufene Waffenruhe einzuhalten. Die Situation im Kongo sei "sehr bedrohlich". Ban betonte die Unabhängigkeit der Vereinten Nationen in dem Konflikt. "Wir versuchen zu helfen."

Rebellenführer kündigt "humanitäre Korridore" zur Versorgung der Menschen an

Ban sagte, er habe seit Beginn seines Indien-Besuches am Vortag Gespräche mit Ruandas Präsident Paul Kagame geführt, der als Unterstützer Nkundas gilt. Er habe außerdem mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila sowie mit dem Präsidenten Tansanias und der Afrikanischen Union, Jakaya Kikwete, gesprochen.

Wegen der jüngsten Kämpfe zwischen von UN-Soldaten unterstützten Regierungstruppen und Rebellen sind im Osten des Kongo zehntausende Zivilisten auf der Flucht. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind zwischen den Linien von Rebellen und Regierungstruppen 30.000 Flüchtlinge eingeschlossen. Rebellenführer Laurent Nkunda hatte am Donnerstag die Einrichtung von "humanitären Korridoren" zur Versorgung der Menschen angekündigt. (bai/AFP/dpa)