Der Tagesspiegel : Buga-Köpfe: Die Apothekerin

Simone Leinkauf

Gift mischt sie nicht und Salben nur selten, das habe ihr die Industrie inzwischen abgenommen. Früher war das anders: Bis Angelika Schulz 1980 ihr Pharmaziestudium in Greifswald abschloss, wurden Pülverchen und Salben selbst zusammen gerührt, und wer mit Pflanzen arbeiten wollte, der musste raus: "Zu Ostzeiten gab es im Handel nicht einmal Fenchel oder Kamille", erinnert sich die Apothekerin, "da war halt Selber-Sammeln angesagt". Pharmazie studierte die gebürtige Perlebergerin, weil Naturwissenschaften und soziales Engagement in diesem Beruf zusammen kommen. Doch auch das hat sich inzwischen geändert: "Viele Kunden wollen nur schnell ihr Rezept einlösen. Es gibt aber eben auch die anderen." Die anderen sind meist ältere Menschen, allein stehende Frauen und Männer, die den Gang in die Apotheke mit einer kleinen Plauderei verbinden, über das Wetter oder das Leben, Hauptsache, jemand hört zu. Und Angelika Schulz hört zu, gibt Ratschläge, auch wenn es nicht um Medikamente geht. "Für manche ist Reden wichtiger als jede Pille, vor allem, wenn sie sonst niemanden mehr haben." Auch wenn noch die eine oder andere individuelle Rezeptur in der Apotheke gemixt wird, reicht das der aktiven 44-Jährigen nicht. Und deshalb gibt es in der Apotheke im Graefe-Haus in der Potsdamer Hans-Thoma-Straße individuell zusammengestellte Tees gegen allerlei Zipperlein, zum Schlafen oder Wachwerden, gegen Bauchschmerzen und Depressionen. Und seit die Apothekerin eine Mitarbeiterin hat, die nach ihrem Pharmaziestudium eine Ausbildung als Heilpraktikerin machte, findet auch sachkundige Beratung rund um Heilkräuter und ihre Wirkung statt, etwa 150 verschiedene europäische Heilkräuter sind ständig auf Lager. Kein Wunder, dass Angelika Schulz zu den Apothekerinnen und Apothekern gehört, die im Rahmen des sonntäglichen Gesundheitsgartens auf der Buga präsent sind: Am Wochenende ist von 10 bis 12 Uhr immer einer vor Ort, um Fragen von Buga-Besuchern zu beantworten: Da geht es um die Wirkung von Heilpflanzen, um alte Hausmittelchen wie Thymian und Pestwurz oder auch Seifenkraut. "Meist sind es ältere Leute", so Schulz, "die in den Gesundheitsgarten finden." Junges Publikum erreicht sie im Grünen Klassenzimmer, wo Pflanzen besprochen und Arbeitsblätter ausgefüllt oder ausgemalt werden.

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