Buhlen um Zuschauergunst : Kinos setzen auf 3D-Filme

Die Filmbranche arbeitet mit Hochdruck an einem deutschlandweiten Angebot von 3D-Kinos. Die passenden Streifen sind schon in der Mache - schon bald sollen Angelina Jolie und der grüne Oger Shrek dreidimensional über die Leinwände flimmern.

Nadine Emmerich[ddp]
3D-Kinos
Kino mit Brille: "Alle sehen ein bisschen albern aus." -Foto: ddp

BerlinHollywoodproduzent Jeffrey Katzenberg sagt dem Kinobesuch mit 3D-Brille eine ganz große Zukunft voraus. "Demnächst wird man überall seine individuellen 3D-Brillen kaufen können und sie wie selbstverständlich mit ins Kino mitnehmen. Es wird ein Lifestyle-Produkt, auf das die Industrie einsteigen wird. Wie die Badehose im Schwimmbad", sagte Dreamworks-Mitbegründer Katzenberg ("König der Löwen", "Shrek") jüngst der "Frankfurter Rundschau".

Auch in Deutschland werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, künftig in möglichst vielen Kinos 3D-Filme zeigen zu können, sagt der Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH, Jan Oesterlin. "Die Kinos freuen sich darauf", betont er und schwärmt vom "tollen Kinoentertainment". Vor allem für Actionfilme mit rasanten Verfolgungsjagden sei 3D "spektakulär". Die 3D-Brille empfindet Oesterlin dabei nicht als störend. "Alle sehen ein bisschen albern aus", sagt er - das verbinde auch irgendwie.

"Spektakuläre Zahlen"

Derzeit läuft "Harry Potter und der Orden des Phönix" in 3D, allerdings noch analog, im Berliner Imax-Kino am Potsdamer Platz - "mit spektakulären Zahlen", wie der Marketing-Verantwortliche der Berliner Cinestar-Kinos, Daniel Sibbers, sagt. Vom 11. bis 31. Juli sahen bereits 20.000 Besucher den Film, in den ersten zwei Wochen verzeichnete das Kino eine Auslastung von mehr als 90 Prozent.

Bereits reichlich Erfahrung mit digitalem Kino und 3D hat der Chef des Nürnberger Großkinos Cinecitta, Wolfram Weber. "Die Zukunft des Kinos ist 3D", betont der Betreiber eines der größten Kinozentren Europas mit fast 5000 Plätzen in 21 Kinosälen. Weber hat schon seinen halben Komplex fit für die neue Technik gemacht hat und schwärmt, "wie cool 3D ausschaut". Ihm ist es ein Rätsel, warum seine deutschen Kinokollegen "nicht Gas geben".

60.000 Euro pro Saal

Ein Film in 3D ziehe mindestens doppelt so viele Besucher an wie ein 2D-Film, sagt Weber. Er rechnet zudem vor: Die digitale Technik koste pro Saal rund 60.000 Euro, das mache zwischen 230 und 250 Millionen Euro für die Umrüstung aller deutschen Kinos. Vor dem Hintergrund, dass jedes Jahr 50 Millionen Euro für Filmkopien ausgegeben würden, die anschließend auch teuer entsorgt werden müssten, lohne sich die digitale Investition bereits nach etwa fünf Jahren.

Weber freut sich schon auf das künftige 3D-Programm. "22 Megaprojekte sind in der Mache", sagt er - zum Beispiel James Camerons Science-Fiction-Film "Avatar", die Verfilmung der epischen Sage "Die Legende von Beowulf" mit Anthony Hopkins, Angelina Jolie und John Malkovich, Animationsfilme wie "Shrek 4" und "Ice Age 3", aber auch ein U2-Konzertfilm. Der Nürnberger Kinobetreiber betont zudem mit Blick auf künftige Besucherzahlen: "3D funktioniert im Heimkino nicht, da haben die Kinos einen Vorteil."

Flächendeckend ab 2009

Noch haben aber längst nicht alle Lichtspielhäuser die nötige Technik, um den 3D-Spaß anzubieten. Hintergrund ist laut Oesterlin, dass noch an den Standards für die digitale Technik, welche die Produktion übrigens günstiger und das Raukopieren schwerer machen wird, gearbeitet werde. Die Umrüstung erfolge "nicht auf Knopfdruck", da noch sehr viele technische und finanzielle Fragen zu klären seien. In Branchenkreisen wird geschätzt, dass etwa 2009 relativ flächendeckend Spielfilme in 3D zu sehen sein werden.

Beim dreidimensionalen Film bekommt der Zuschauer durch sogenannte stereoskopische Verfahren den Eindruck echter räumlicher Tiefe geboten. Eine 3D-Brille wird benötigt, um die räumliche Tiefenwirkung sichtbar zu machen. Die bisherige Hochzeit der 3D-Filme war Anfang der 50er Jahre, als die Kinos erstmals versuchten, die Zuschauer weg vom Fernseher und rein in die Kinos zu locken.

Bislang nur wenige Imax-Kinos

In Imax-Kinos werden schon seit Jahren 3D-Filme gezeigt, allerdings meist keine Spielfilme, sondern zum Beispiel Reisen in unbekannte Regionen oder exotische Tierwelten. Imax-Kinos gibt es jedoch nur noch vier in Deutschland - in Berlin, Nürnberg, Sinsheim und Speyer. Viele Häuser wurden geschlossen, weil sie nicht genug Publikum anlocken konnten. Als Grund galt eine geringe und zu wenig wechselnde Filmauswahl.

Nicht jedes Kino wird den Trend 3D mitmachen können, außen vor bleiben etwa die Programmkinos. "Wir sehen in unserem Marktsegment relativ wenig Potenzial", sagt die Geschäftsführerin der AG Kino - Gilde deutscher Filmkunsttheater, Eva Matlok. Konkurrenz durch das 3D-Kino befürchte sie aber nicht. Die Jugend werde sich für das dreidimensionale Kinoerlebnis begeistern, das ältere Publikum eher nicht. Zudem ist Matlok überzeugt: Das 3D-Kino ist nichts für jeden Film, sondern werde "Special-Event-Charakter" haben.