Bulgarische Krankenschwestern : Freiheit für Mediziner - PR für Sarkozy

Nach der glücklichen Ankunft der bulgarischen Krankenschwestern in Sofia wird Nicolas Sarkozy morgen nach Tripolis reisen. Für das Einlenken Libyens lässt sich der französische Präsident ausgiebig feiern.

Roland Siegloff[dpa]
Krankenschwestern Sofia
Freiheit nach acht Jahren. Die fünf bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt bei ihrer Ankunft in Sofia. -Foto: AFP

Brüssel Das Bangen hat ein Ende. "Dies ist ein Augenblick der Erleichterung, der Emotion, des Glücks", jubelte der Präsident der Europäischen Kommission, nachdem Libyen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt frei gelassen hatte. Dann dankte José Manuel Barroso allen, die zu dieser glücklichen Lösung beigetragen hatten. Das dauerte etwas länger, denn der Erfolg hat viele Väter - und mindestens zwei Mütter.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hatte die Verhandlungen mit dem Regime in Tripolis über Jahre vorangetrieben. "Das war wirklich extrem schwierig", meinte Barroso. Unterstützt von wechselnden EU-Ratspräsidentschaften sagte die Österreicherin dem Wüstenstaat europäische Millionenhilfe bei der Aids-Bekämpfung zu. Libyen hatte die Krankenschwestern und den Arzt eingesperrt und zum Tode verurteilt, weil sie angeblich mehr als 400 Kinder absichtlich mit tödlichen HI-Virus infiziert hatten.

Im Erfolg der Freilassung sonnte sich aber vor allem Cécilia Sarkozy, die Frau des neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. "Ich kann ihr nur danken - Frau Sarkozy danken und Präsident Sarkozy danken", betonte Barroso. Cécilia Sarkozy hatte sich kurzfristig in die Gespräche eingeschaltet und begleitete die befreiten Frauen in einem Flugzeug der "République Française" nach Hause. Was die 49-Jährige konkret zu deren Freilassung beigetragen hat, blieb zunächst im Dunkeln.

Katar vermittelte

Sarkozy
Gute Beziehungen. Nicolas Sarkozy mit dem Emir von Katar. -Foto: dpa


Etwas mehr Licht fiel auf die Rolle des französischen Präsidenten. Nicolas Sarkozy kennt den Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani. Der vermittelte. "Der Emir von Katar hat auch einen zusätzlichen humanitären Beitrag aufgebracht", sagte Barroso. Wie tief der Scheich in die Schatulle griff, blieb offen. Die Europäer hätten über frühere Zusagen - rund 2,5 Millionen Euro für die Aids- Bekämpfung in Libyen - und versprochenen Anschlussprojekte hinaus kein zusätzliches Geld gegeben, hieß es.

Der Beitrag des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier, dem "Der Spiegel" eine lange Geschichte gewidmet hatte, blieb in Brüssel ein Randthema. Dabei war - neben der Freilassung - am Dienstag eigentlich nur die Unterzeichnung eines gemeinsamen Memorandums mit den Libyern neu. Dessen Elemente waren unter deutschem EU-Ratsvorsitz ausgehandelt worden. "Das haben wir im Juni mit Steinmeier gemacht", hieß es in Brüssel auf Nachfrage.

Sarkozy in Tripolis

Den deutlichsten PR-Erfolg verbuchte indes das französische Präsidentenpaar. Nicolas Sarkozy kündigte umgehend eine Reise nach Libyen an. Frankreich hat wirtschaftliche Interessen in der Region. Der Präsident hatte nach seiner Wahl ein engeres Zusammenrücken der Staaten rund um das Mittelmeer angekündigt. Das geht nur mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al Gaddafi, dessen Land bisher nicht einmal bei regionalen Treffen mit der EU - dem so genannten Barcelona-Prozess - dabei ist.

Die EU will ihre Beziehungen zu Tripolis nun "normalisieren". Nach der Freilassung der Krankenschwestern werde es wohl einfacher, die Überfahrt afrikanischer Flüchtlinge von Libyen nach Europa zu bremsen, glaubt man in Brüssel. Doch es gibt auch warnende Stimmen. Der Wüstenstaat dürfe "für seine verspätete Entscheidung nicht belohnt" werden, meinte der Fraktionschef der Liberalen im Europa- Parlament, Graham Watson: "Libyen muss erst noch beweisen, dass es langfristig ein verlässlicher Partner sein kann."