Der Tagesspiegel : BUND: Wenig Schutz bei neuer Elbe-Flut

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Mühlberg Ein erneutes Hochwasser an der Elbe hätte nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für Brandenburg noch dramatischere Konsequenzen als das von 2002. In einer Bilanz zum dritten Jahrestag der Flut erklärte BUND-Experte Ernst Paul Dörfler: „Die gleiche Regenmenge wie 2002 im Einzugsgebiet der Elbe würde heute einen 50 Zentimeter höheren Pegel in Brandenburg bedeuten.“ Grund seien die inzwischen verstärkten Deiche in Sachsen und Sachsen-Anhalt, die dort Überflutungsflächen versperren und so den Druck auf die flussabwärts gelegenen Gebiete weiter erhöhen würden. Ein zweites „Wunder von Mühlberg“, wie die knappe Rettung der Stadt damals genannt wurde, sei bei gleichen Voraussetzungen unmöglich. Der Brandenburger Landesregierung sei dabei kein Vorwurf zu machen – Abhilfe müsse am Oberlauf des Flusses geschaffen werden. Doch das oft gemachte Versprechen, „den Flüssen mehr Raum zu geben“, sei bisher nur mit einer neuen Überschwemmungsfläche bei Roßlau (Sachsen-Anhalt) und zweien in der Prignitz umgesetzt worden.

Der Sprecher des Potsdamer Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade, bezweifelte indes die Präzision der BUND-Pegelberechnung: Bei der Flut 2002 habe kein Rechenmodell wirklich gestimmt. Die in der Prignitz begonnenen „Rückdeichungsprojekte“ seien die größten bundesweit. Außerdem würden die Deiche bei Mühlberg saniert. Wie 2002 könnten auch bei einer neuen Flut die Havelpolder geöffnet werden. Wenn aber Gebiete geflutet würden, wäre Streit über die Schäden absehbar: Ein überfälliger Staatsvertrag mit den Havel-Anrainern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sei wegen Kosten- und Kompetenzpokers noch immer nicht unterschrieben, sagte Schade. obs

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