Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Begehbare Rosenblüten

Waltraud Hennig-Krebs

Auch wenn zurzeit das Wetter vielen Menschen auf die Nerven geht, so hat sich zumindest in den Hausgärten der Frühling mit blühenden Obstbäumen und den im letzten Herbst gepflanzten Narzissen, Tulpen und Krokussen durchgesetzt. Ein Blick über einen Gartenzaun oder ein Spaziergang in einem Park lässt die Stimmung steigen. Besucher des Buga-Parks sollten wissen, dass sie derzeit noch nicht im Blütenrausch schwelgen können und auch im Freiland in den Beeten "nur" die Frühlingsboten sehen werden. Die Buga-Halle soll allerdings ein Blumenmeer zeigen, das bis zum 27. April besichtigt werden kann. Doch wenn die Natur mitspielt, so werden sich im Laufe der 170 Tage dauernden Buga die gärtnerischen Themenbereiche im Freiland in prachtvolle Idylle verwandeln.

Blühende Themenbereiche

Einer der sommerlichen Höhepunkte dürfte der originell angelegte Rosengarten werden. Im Zentrum des neu geschaffenen Parks, am Fuße eines Wallkarrees, werden auf einer über zweitausend Quadratmeter großen Fläche riesige Rosenblüten - wie auf einer Perlenschnur aufgereiht - präsentiert. Aus etwa 200 Sorten mit 13 000 Einzelpflanzen wurden 15 überdimensionale Rosenblüten in unterschiedlichen Größen nachgeahmt. Jedes "Blütenblatt" besteht aus vielen farblich aufeinander abgestimmten Rosenarten, beispielsweise aus bodendeckenden Strauch-, Edel-, Beet- und Zwergrosen. Sie sind ringförmig um die "Blütenmitte" gesetzt, Kletterrosen symbolisieren das Staubblatt. Immergrüne Buchsbaumhecken stellen die Kelchblätter dar, hohe Reitgräser die Staubfäden. Die "Blüten" haben einen Durchmesser von etwa 15 Metern. Wege führen die Besucher nahe an die Rosen heran. Die Farbpalette reicht von Rot, Orange über Gelb und Weiß bis zu Rosa und Violett. Grafik:
Der Buga-Park im Bornstedter Feld Im östlich gelegenen Waldpark Schragen wurden auf etwa 1500 Quadratmetern Rhododendren, darunter zwei sehr alte Exemplare, in die so genannten Panzertaschen - das sind schräg nach hinten abfallende Bodenvertiefungen - gepflanzt. Dekorative Eichenholzscheite bilden den Hintergrund. Entsprechende Blütengehölze wie Lavendelheide, Felsenbirne, Hartriegel-Arten sowie Stauden, Gräser und Farne, sollen den Waldcharakter des Geländes unterstreichen. Der alte Baumbestand, hauptsächlich Eichen und Robinien, ergänzt diesen Themenbereich. Die Wege, die durch diesen Gehölzbereich führen, sind mit glitzernden, gemahlenen Glasscherben durchsetzt.

In vielen Variationen und an zahlreichen Stellen begleiten Stauden die Besucher durch den Park. So sind beispielsweise in den Gärten der Verbände oder im Bereich der Grabbepflanzung die ausdauernden Pflanzen zu finden. Im Bereich der Wälle ist ein Karree völlig dem Thema Stauden gewidmet. Auf erhöhten, schrägen Flächen werden speziell sonnenliebende und Trockenheit vertragende Stauden präsentiert. Charakteristisch für diese mediterran wirkenden Pflanzen ist ihr graues beziehungsweise silberfarbenes Laub. Die Blätter sind meist behaart oder bereift und dickfleischig. Sie erreichen trotz der Farbigkeit der Blüten nie die Leuchtkraft von Prachtstauden. Diese sind im nördlichen Geländebereich, dem Remisenpark, zu finden. Dort werden bestimmte Themenschwerpunkte gesetzt, wie beispielsweise "Rittersporn & Co.", "Seltene Giganten" oder "Gräser und ihre Begleiter". An der Viereckremise, am standortgerechten Platz, eingeramt von geschnittenen Hecken, sind die Schatten- und Halbschattenstauden zu finden.

Tipps und Anregungen kann der interessierte Besucher bei einer Reihe von Schaugärten auf der südwestlichen Seite des Remisenparks finden. In unterschiedlichen Größen und Grundrissen werden zehn verschiedene Themen gezeigt. Die einzelnen Gärten sind mit Hecken eingefasst. Der erste Garten nennt sich "Prachtvoll" und will vom Frühling bis zum Herbst mit Stauden, Gräsern, Zwiebelgewächsen und Sommerblumen ein ständig wechselndes Blüten- und Farbenspiel bieten. Ob es sich wirklich um einen "prachtvollen Garten" handelt, wird sich spätestens zur Blütezeit zeigen.

"Unterm siebten Himmel" heißt ein weiteres Gartenbild. Es ist mit Gewürz- und Küchenkräutern, Ebereschen und Apfelbäumen bepflanzt. Eingefasst mit schmalen Säulen-Zitterpappeln ist der Garten "Bewegliche Vorhänge". Er wird transparenten textilen Vorhängen gegliedert, die mit Pflanzenmotiven bedruckt sind. So soll ein Spiel mit natürlichen und künstlichen Pflanzen entstehen. Vom Weg bis hin zur Bepflanzung ist der "Lange Garten" ganz in roten und orange farbenen Tönen gestaltet. Überragt von Pergolen soll hier ein besonderes Raumerlebnis geboten werden.

Typische Ideen und Pflanzen der jeweiligen Jahrzehnte präsentieren die fünf "Gärten der Dekaden". Ein schmaler Wasserlauf, sozusagen als "Zeit-Achse" führt den Besucher vom Garten der 50er bis hin zu den 90er Jahren. Die 50er Jahre zeigen andeutungsweise nierenförmige Brunnenbecken, Rosenrankgerüste und Natursteinplatten. Ein Jahrzehnt später werden Waschbetonplatten und Rosenrabatten als typisch für diese Dekade gezeigt. Und auch der Essigbaum fehlt nicht. Intensive Farben bei der Gestaltung und der Pflanzen dominierten die 70er Jahre. Birken und ein naturnaher Teich mit Sumpfzone sind in dem Schaugarten der 80er zu sehen, als Synonym für die "Ökowelle". Am Ende der Wasserachse liegt der Garten der 90er Jahre mit einem Wasserbecken in Dreiecksform, verschiedenen Kiesarten und einem Trompetenbaum als Solitärgehölz.

Das zehnte Schaubild ist "Das kleine Blau", eingefasst mit einer dichten Hecke. Der Garten scheint viereckig zu sein, doch nach innen öffnet sich ein ovaler Raum mit spiegelndem Seerosenbecken. Bänke laden die Besucher zum Verweilen ein.

Gehölze und Partner

Ein interessantes Thema für Hobbygärtner dürfte der Beitrag "Gehölze und Partner" werden, bei dem unterschiedliche Verwendungsformen vorgestellt werden. Präsentiert werden sollen in erster Linie ein Ziergehölzer-Sortiment, das sich speziell für den kleinen Hausgarten eignet. Mitglieder des Bundes deutscher Baumschulen haben im Frühjahr und Herbst vergangenen Jahres Pflanzenbilder im Form kleiner Gartenräume gepflanzt: Formgehölze, Immergrüne, Bodendecker, Hecken, Rosen und Stauden. Dazu sollen die passenden Begleitpflanzen präsentiert werden. Weitere Themen widmen sich dem Steingarten und mediterranen Gehölzen, der Farbe im Garten und schattenverträglichen Arten oder bestimmten Sortimenten. Vorgestellt werden aber auch Raritäten und Neuheiten sowie unterschiedliche Schling- und Kletterpflanzen.

Traditionell ist ein Bereich der Grabbepflanzung und -gestaltung vorbehalten, der bei den vorangegangenen Bundesgartenschauen viele Besucher angezogen hat. Drei mächtige Eichen und ein Kranz von Gehölzen prägen das Gelände. Friedhofsgärtner, Steinmetze, Holzbildhauer und Metallhandwerker wollen 113 Mustergrabstätten gestalten. Die Gräber werden jeweils der Jahreszeit entsprechend bepflanzt.

Wer sich für Heilpflanzen-, Duft- und Kräuter interessiert sollte den so genannten Gesundheitsgarten besuchen, der mit Unterstützung des Landesapothekerkammer Brandenburg entstand. Er soll eine Oase der Ruhe inmitten des Ausstellungstreibens werden. Der rechteckige Raum wird von außen nicht einsehbar sein. Den Blick verhüllen hohe Segeltücher. Diese dienen auch dazu, dass sich die Düfte und Aromastoffe nicht aus dem Garten verflüchtigen.

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