Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Besucher und Betrüger

Stefan Jacobs

Vier Wochen nach Eröffnung der Bundesgartenschau wurde gestern der 200 000. Besucher im Park am Bornstedter Feld begrüßt. Damit kamen bisher durchschnittlich nur halb so viele Besucher wie geplant. Wachsenden Andrang hatte erst die Schönwetterperiode der vergangenen Tage gebracht. Gefragt war bisher im Wesentlichen die ab 17 Uhr gültige Abendkarte, die mit sieben Mark nur ein Drittel der Tageskarte kostet. Jetzt haben die Veranstalter reagiert: Ab sofort sind die Kassen eine Stunde länger - bis 20 Uhr 30 - geöffnet.

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Die Bundesgartenschau in Potsdam Krisenstimmung herrscht wegen des enttäuschenden Auftaktes der Schau in Potsdam offenbar nicht. Entwarnung kommt auch von anderer Seite: Ein schwacher Start könne im Laufe des Jahres leicht ausgeglichen werden, sagt Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen. "Wir hatten einen grottenschlechten Anfang", erinnert er sich an die Buga 1997. Dennoch kamen in den 170 Tagen bis zum Ende der Schau mehr als 1,5 Millionen Besucher - die Veranstalter hatten mit mindestens 1,1 Millionen Gästen gerechnet. Auch die Buga 1999 in Magdeburg konnte die zuvor ausgegebene Zahl von mindestens zwei Millionen Besuchern um 300 000 überbieten. Nach Potsdam, wo 2,5 Millionen Besucher avisiert sind, müssten täglich fast 15 000 Gäste kommen. Diese Zahl wurde bisher nur am vergangenen Wochenende erreicht.

Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer der "Grün Berlin GmbH", lobt das Potsdamer Konzept ungeachtet der Besucherflaute. Die landeseigene Berliner Gesellschaft verwaltet hauptsächlich den aus dem Buga-Park von 1985 hervorgegangenen Britzer Garten und den Erholungspark Marzahn. "Bei der Stadtentwicklung im Vorfeld der Buga hat Potsdam Großes geleistet", sagt Gottfriedsen. Gerade das Konzept der dezentralen Buga-Orte in der Stadt sei "unglaublich ehrenvoll. Aber es schlägt jetzt zurück." Ähnlich argumentieren die Buga-Manager, die auf die vielen Besucher der gratis zugänglichen Freundschaftsinsel verweisen. Gottfriedsen hält die insgesamt 311 Millionen Mark teuren Buga-Projekte auch dann für einen "Mordserfolg", wenn weniger als die geplanten 40 Millionen Mark aus Eintrittsgeldern refinanziert werden. Das Geld sei gut angelegt, und "gegen einen Sanssouci-Park kann ohnehin keiner anstinken."

Was die Bundesgartenschau bei den Besucherzahlen bisher nicht schafft, gelingt ihr an anderer Stelle: Sie knüpft an eine traurige Buga-Tradition an, indem sie sich zum Anlaufpunkt für betrügerische Reiseunternehmen entwickelt. Die Firmen ködern Kunden mit einem angeblich kostenlosen Besuch der Schau, der sich dann als normale Kaffeefahrt entpuppt, auf der den Reisenden überteuerte Waren aufgeschwatzt werden. Das Buga-Management berichtet von täglich fünf oder sechs Bussen mit Touristen, die vergeblich auf kostenlose Eintrittskarten hoffen oder schon nachmittags mit Abendkarten vor den Drehkreuzen warten.

Inzwischen warnt auch die Verbraucherzentrale vor dem Schwindel. Auf Kulanz dürfen die Geprellten in Potsdam nicht hoffen: "Das würde die anderen benachteiligen", sagt eine Buga-Sprecherin.

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