Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Die Buga-Zigarre schmeckt nach Pilzen und Schwarzbrot

Claus-Dieter Steyer

Die Souvenirs der Bundesgartenschau klappern, schreiben und qualmen. Das ergab die gestrige Suche nach Andenken an das bevorstehende Großereignis in der Innenstadt. Die versteckt gelegene Potsdam-Information hat mit dem Gegenständen eigens ein Regal gefüllt. Doch die freundliche Kollegin hinter der Verkaufstheke schüttelt auf die Frage nach dem Buga-Dingen etwas abwehrend den Kopf. Viel sei nicht zu haben und was ausliege, treffe vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Sie lag nicht ganz falsch. Zuerst stachen Kugelschreiber für 3,80 Mark ins Auge. Der Designer muss wohl einen schlechten Tag erwischt haben. Denn der Auftrag dürfte in kürzester Zeit erledigt worden sein. Auf dem Druckknopf hat er einfach eine Sonnenblume aus Plastik und Samt gesteckt. Beim Test hielt sie ein dreimaliges Drücken aus. Dann waren Kugelschreiber und Blume wieder getrennt. Auf das Symbol der Buga wurde gleich ganz verzichtet. Als "undefinierbar" bezeichnete ein Gartenfachmann die Markierungen am Stamm. "Sie sollen wohl Würmer oder sonstiges Getier darstellen", meinte er. Aber eine Eigenschaft versöhnte am Ende wieder: Die Mine schrieb ganz ausgezeichnet. Im Fach darunter lag "Froschkönig Fritz" - als Schlüsselanhänger und als Magnetfigur für jeweils 6,80 Mark. "Greifen Sie lieber zum Anhänger", riet die Frau der Potsdam-Information. "Der klappert am Schlüsselbund und sieht ganz freundlich aus." Beim Froschkönig handelt es sich um das offizielle Buga-Maskottchen. Ein Schüler aus Michendorf hatte in einem Wettbewerb damit den ersten Preis gewonnen. "Frech und witzig" soll das Maskottchensein, heißt es in einer Presseinformation. Der Frosch stehe außerdem für die Verwandlung des Bornstedter Feldes vom Truppenübungsplatz zum Buga-Park. Schließlich liege gerade in Potsdam der königliche Bezug auf der Hand. Außerdem genieße der Frosch bei den Gärtnern einen guten Ruf als Nützling, so die offizielle Begründung. Wer das Gummiteil aber auf die Rückseite dreht, liest seltsame Dinge: MAX 2001 und eine Berliner Telefonnummer. Keine Rede also vom Froschkönig! Da half nur noch der Abstecher ins Zigarrenhaus Rauchzeichen am Rande des Holländischen Viertels. Dort werde eine Buga-Zigarre angeboten, lautete der Ratschlag. Zigarrenqualm und Gartenschau? Geschäftsführer Frank Bock war um eine Antwort nicht verlegen: "Das gute Stück ist ökologisch und in Handarbeit gedreht." Der Tabak stamme leider nicht aus Brandenburg, sondern aus Kuba. Hergestellt werde sie in Hessen. Dafür trägt wenigstens die Aluminiumröhre königsblau. Mit Glückwunschkarte kostet die Zigarre 9,90 Mark. Sie reicht eine halbe Stunde und schmeckt nach einer Mischung aus Pilzen und Schwarzbrot - wie ein Test ergab.

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