Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Minervas Mythos

Potsdams Herz, die historische Innenstadt, beginnt ganz langsam wieder zu schlagen. Mit einem grandiosen Kunstprojekt wollten die Frankfurter Architekten Dietz / Joppin den Wiederbelebungsversuch einleiten: einen blauen Kunstrasen in den Dimensionen der Stadtschlossanlage mit vier Ecktürmen. Aus diesem Projekt wurde nichts - es gab kein Geld, es fehlte der Mut.

Aber es fanden sich andere "Notärzte", um die Wiederbelebung einzuleiten. Durch eine Spende der deutschen Betonindustrie, initiiert durch den Journalisten und Wahlpotsdamer Günther Jauch, wurde der Wiederaufbau eines Teils der Schlossanlage möglich: des Fortunaportals. Auf dem Fundament des 1701 zur Erinnerung der Krönung des ersten Königs in Preußen von Jean de Bodt errichteten Torbauwerkes sind bereits die Mauern des neuen Tores gewachsen. Der Buga-Besucher kann sie betrachten. Und er kann ein paar Schritte weiter gehen in das Alte Rathaus, in dem die große Schau "Minervas Mythos - Fragmente des Potsdamer Stadtschlosses" geboten wird. Die Universal-Göttin Minerva stand bis Mitte der dreißiger Jahre auf dem östlichen Seitenflügel des Schlosses. Ihre Skulptur gilt als eines der schönsten Potsdamer Bildwerke. Vor den Olympischen Spielen in Berlin 1936 ist die Figur im Rahmen einer Verschönerungsaktion entfernt und durch eine Kopie ersetzt worden. So blieb das Original bis heute im Sanssouci-Depot, während die Kopie dem Bombardement auf das Potsdamer Zentrum 1945 zum Opfer fiel. Die Ausstellung, ein Muss für jeden Potsdam-Besucher, zeigt, was vom Stadtschloss noch übrig geblieben ist und macht schlaglichtartig klar, mit welchen unsäglichen Mühen ein historisch getreuer Wiederaufbau verbunden sein dürfte.

Der Lustgarten gehört als neuer innerstädtischer Platz ebenfalls zur Buga-Kulisse "Historische Innenstadt". Dem Besucher, der Potsdam nicht von früher kennt, verschließt sich, welch großer Brocken im wahrsten Sinne des Wortes in kurzer Zeit für diesen Platz bewegt werden musste: Der Abriss eines ganzen Stadions, benannt nach dem Kommunisten Ernst Thälmann, samt Nebenbauten unter Beachtung archäologischer Auflagen. Für den Bau der Stadionwälle nämlich wurden Trümmer des Stadtschlosses verwendet. Was davon noch vorhanden war, ist geborgen worden. Einen Teil zeigt die Ausstellung "Minervas Mythos". G. S.

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