Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Mit langen Unterhosen zum Bornstedter Feld

Claus-Dieter Steyer

An der Frage nach den langen Unterhosen kam gestern kaum ein Besucher der Buga-Eröffnungsfeier vorbei. TV-Moderator Günter Jauch präsentierte sein graues Exemplar, Oberbürgermeister Matthias Platzeck hatte sich für Blau entschieden. Über Details weitere Prominenter sei der Mantel der Höflichkeit gelegt. Denn bei den vorwiegend älteren Politikern und Gartenbau-Experten dominierte eine Farbe: Weiß.

Hauptsache war schließlich ohnehin, dass die Baumwolle wärmt. Genau 8,7 Grad Celsius zeigte gestern um 12 Uhr die elektronische Tafel am Stand des Deutschen Wetterdienstes in der Nähe des Haupteingangs zum Buga-Park an. Mindestens das Doppelte sei in diesen Apriltagen zu erwarten, sagte der diensthabende Meteorologe. Aber wenigstens strahlte am Vormittag die Sonne vom Himmel. Für die Fernsehzuschauer dürfte dieses Bild genau richtig gewesen sein: Blauer Himmel, grüner Rasen und blühende Blumen. Da lohnt sich ja doch ein Ausflug an die Havel, dürfte sich so mancher Zuschauer in fernen Landen gesagt haben. Vor allem Buga-Geschäftsführer Jochen Sandner kamen diese "traumhaften Motive" zur rechten Zeit. Immerhin 2,5 Millionen Besucher sollen an den kommenden 170 Tage die Drehkreuze an den Eingängen passieren.

Am Bildschirm fiel ohnehin der große Anteil von Rollrasen nicht auf. Da die frische Saat angesichts der tiefen Temperaturen nicht aufgegangen war, mussten die Gärtner zu diesem Trick greifen. Sehr strapazierfähig scheint der Rollrasen aber nicht zu sein, wie gestern ein erster Härtetest ergab. Als die Fotografen-Meute auf der Jagd nach den besten Schnappschüssen mit dem Bundeskanzler über das schöne Grün um die Wette lief, hinterließ sie auf den kostbaren Flächen tiefe Spuren. "Zerstören Sie nicht unseren kostbaren Rollrasen", rief eine ziemlich verzweifelt wirkende Pressesprecherin Sigrid Sommer. Aber die meisten Gärtner wollen eine Krisenstimmung wegen des miesen Wetters gar nicht erst aufkommen lassen. "Die Natur hängt zwar zwei bis drei Wochen hinter dem Plan zurück, aber trotzdem lohnt sich schon am ersten Wochenende ein Abstecher nach Potsdam", sagte der Präsident des Gartenbauverbandes, Karl Zwermann. Der Bundeskanzler wurde bei diesem Thema sogar ganz philosophisch: "Manchmal ist der Weg das Ziel", erklärte Schröder. Es sei bestimmt einmal ganz reizvoll, das Wachsen der Natur zu beobachten als stets nur vor fertigen Blumenbeeten zu stehen.

Die besten Berufsgärtner können die Natur aber auch ganz schön überlisten. Denn wo sonst blühen jetzt schon Rosen, Tulpen oder Gänseblümchen? Natürlich auf der Gartenschau, wenn auch die Kübel in den Nächten wieder zurück ins Gewächshaus geräumt werden. Gänseblümchen sind übrigens die Lieblingsblumen von Schröder und seinem Kabinettskollegen Scharping.

Während am Vormittag die meisten Foto-Apparate der ersten Besucher noch wegen des Kanzlers klickten, genossen einige Gäste danach einen besonderen Blick. Von den sechs Meter hohen Erdwällen schauten sie lange in alle Himmelsrichtungen. "Das ist unglaublich", sagte der Rentner Paul Sokolowski. "Vor sieben Jahren standen hier noch die Russenpanzer und schossen kreuz und quer. Jetzt gehen die Menschen auf neuen Wegen spazieren." Es sei gar nicht so wichtig, ob am ersten Tag gleich alle Blumen blühen, sagte er. "Für mich hat die Buga mit ihrem neuen Park schon jetzt ihren Zweck erfüllt."

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