Bundesliga : Die spannendste Liga Europas

Die Bundesliga steht glänzend da. Wirtschafltich stabil und mit Rekord-Zuschauerauslastungen präsentiert sie sich zu Beginn der 45. Spielzeit. Das Geheimnis ihres Erfolgs könnte im Verzicht liegen.

Benedikt Schöneck
Stuttgarter Meisterfeier
Offener Kampf um die deutsche Meisterschaft: In der vergangenen Saison sicherte sich der VfB Stuttgart erst am letzten Spieltag...Foto: ddp

Frankfurt/Main/BerlinDer Fußball-Bundesliga geht es so gut wie noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Nach einer Befragung zeigten sich 30 Manager der 36 Profiklubs der 1. und 2. Bundesliga mit der derzeitigen Situation der Branche zufrieden. Sie gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage der Klubs auch dank des neuen TV-Vertrages auf dem erreichten hohen Niveau stabilisieren wird. Bei fortschreitend positivem Trend seit der Kirch-Krise im Jahr 2004 rechnet die Hälfte der Klubs sogar mit einer Verbesserung des Niveaus.

Auf mehreren Geschäftsfeldern stiegen die Erträge. Im zweiten Jahr nach der Heim-WM sind Dauerkarten gefragter denn je. Nicht zuletzt dank neuer Stars wie Franck Ribéry, Luca Toni (beide Bayern München) und Bremens Alberto wurden rund 380.000 Saison-Tickets verkauft. Darüber hinaus meldet die Liga eine Bestmarke beim Trikot-Sponsoring: Bei entsprechenden Erfolgen können sich die 18 Erstliga-Klubs auf Einnahmen von bis zu 122,7 Millionen Euro freuen. Von solchen Zahlen können andere Ligen nur träumen: Bereits in der vorigen Saison lag die Bundesliga bei den Zuschauerzahlen und den Sponsoring-Einnahmen im europäischen Ranking vorn.

Gleichmäßige Einnahmenverteilung als Schlüssel zum Erfolg

Ein weiteres Plus der Bundesliga ermittelte die jetzt vorgestellte Studie: Neben der französischen Ligue 1 ist sie die Spielklasse mit dem größten Spannungsgehalt unter den fünf europäischen Top-Ligen (England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland). Bei der Analyse der so genannten Wettbewerbsintensität der letzten 25 Jahre erreichte die Bundesliga einen Spannungsgrad von 42 Prozent und liegt damit zusammen mit Spanien auf Platz zwei hinter Frankreichs Ligue 1 (46 Prozent). Die Profiligen in England (40) und Italien (35) bieten dagegen die geringste Spannung. Gemessen wurde unter anderem der Punktvorsprung der Top-Teams auf die restliche Liga. In der Rubrik "größte Abwechslung an der Tabellenspitze" liegt die Bundesliga sogar auf Platz eins, weil dort die Top-Teams den größten Leistungsschwankungen unterlägen.

Als Grund für das gute Abschneiden der französischen und der deutschen Liga wird die relativ gleichmäßige Verteilung der Medien-Einnahmen im Zuge der zentralen Vermarktung vermutet. Durch den Verteilerschlüssel werde gewährleistet, dass die erfolgreichen Klubs zwar hohe Einnahmen erzielen, schwächere Vereine aber die Hälfte dessen erhalten, so dass sich die Schere zwischen den Top-Klubs und dem Rest der Liga nicht zu weit öffnet. So erhalten die Bundesliga-Absteiger in der kommenden Saison knapp 14 Millionen Euro, während der deutsche Meister maximal 28 Millionen kassiert.

Das Dilemma mit der TV-Vermarktung

Die insgesamt beachtlichen wirtschaftlichen Zuwächse vor allem beim Sponsoring wären ohne die hohe Medienpräsenz und die frühen Bilder im Free-TV kaum zu erlösen. Noch bis 2009 läuft der TV-Vertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), der eine zusammenfassende Berichterstattung am Samstag von 18.30 Uhr an in der ARD-Sportschau garantiert. Doch mit der Rückkehr des Pay-TV-Senders Premiere, der Neuling arena nach nur einem Jahr ablöst, kommt neue Brisanz in die Verhandlungen. Premiere-Chef Georg Kofler nutzt derzeit jede Chance, um gegen die nach seiner Meinung zu zeitnahe Berichterstattung im Free-TV zu wettern. Für mehr Exklusivität wäre er bereit, mehr Geld an die DFL zu zahlen. Die Klubs könnten dabei mitziehen. Sie kündigten schon an, dass sie aus dem neuen TV-Vertrag mehr erlösen wollten als die derzeitigen 440 Millionen Euro pro Saison.

Um die Vermarktungsfähigkeit zu steigern bastelt die Deutsche Fußball Liga (DFL) bereits an vielen neuen Ideen. "Das betrifft alles", erklärte der neue Ligapräsident Reinhard Rauball kurz nach seiner Wahl in Berlin. Schon in der Saison 2008/2009 wird es wieder die Abstiegs-Relegation zwischen der Ersten und Zweiten sowie der Zweiten und der dann neu eingeführten Dritten Bundesliga geben. Die Grundsatz-Entscheidung dazu hat die DFL bereits abgesegnet, die Zustimmung des DFB-Bundestages steht noch aus. "In Zeiten der Globalisierung und zunehmender Professionalisierung müssen wir Dinge auch von anderen Seiten beleuchten", deutete Rauball neue Wege an. Selbst der bisher für die Amateure reservierte Sonntagnachmittag ist für die Bundesliga keine "heilige Kuh" mehr. "Wir müssen auch darüber nachdenken, ob der noch exklusiv für den Amateurfußball sein kann", bemerkte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. (mit dpa)