Bundesliga : Die Tops und Flops der ersten 100 Tage

Super-Transfers, radikale Abstürze, Zuschauerzahlen - nach den ersten 100 Tagen der Saison 2007/08 kann eine erste Zwischenbilanz gezogen werden. Eine Übersicht über Bemerkenswertes und Überraschendes.

Carsten Lappe[dpa]
Meyer
Hans Meyer und der 1. FC Nürnberg: Erst Pokalsieger, jetzt Abstiegsplatz. -Foto: ddp

TOPS:

Vertrauen: Auch in schwierigen Zeiten bewahren die Eliteklubs immer öfter kühlen Kopf. Wie in der Vorsaison gab es bis zu diesen Zeitpunkt erst einen Trainerwechsel. Beim Tabellen-Letzten Energie Cottbus übernahm der Slowene Bojan Prasnikar am 28. September das Amt von Petrik Sander.

Zuschauer: Obwohl in Borussia Mönchengladbach ein Zuschauermagnet abstieg, blieben die Besucherzahlen auf konstant hohem Niveau. Bislang kamen sogar gut 50.000 Fans mehr als im vergangenen Jahr.

Hamburger SV: Trainer Huub Stevens hat dem Bundesliga-Dino wieder zu alter Stärke verholfen. Dank 20 von 24 möglichen Punkten aus den vergangenen acht Spielen liegt der HSV nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Bayern München auf Platz drei. Großen Anteil hat Superstar Rafael van der Vaart, der einen Uralt-Rekord des HSV-Idols Uwe Seeler knackte. Bei acht aufeinanderfolgenden Einsätzen schoss der Niederländer jeweils ein Tor. Nach seinem vergeblich forcierten Wechsel im Sommer nach Valencia liegen ihm die Fans wieder zu Füßen.

Transferpolitik: Nach der Katastrophensaison änderte Rekordchampion Bayern München die Transferstrategie. Das Motto lautet nun: Klotzen statt Kleckern, Qualität statt Quantität. Die Rechnung ging auf. Das Offensivtrio Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose sorgt für Furore. Toni (9 Tore) und Klose (8) führen die Torjägerliste an und Ribéry besticht durch seinen Spielwitz. "Ihm zuzuschauen ist ein Genuss", schwärmt Kapitän Oliver Kahn. Trotz der ersten Saisonpleite in Stuttgart und einer Mini-Krise sind die Bayern spitze.

   Diego: Neben Ribéry und van der Vaart verkörpert der Brasilianer im zentralen Mittelfeld internationale Spitzenklasse. Der 22 Jahre alte Bremer ist sogar der Effektivste unter den Spielmachern. Mit 13 Scorerpunkten liegt Diego vor van der Vaart (9) und Ribéry (4).

Karlsruher SC: Der Aufsteiger ist das Überraschungsteam. Als Vierter liegt der KSC auf einem UEFA-Cup-Rang. Herausragend bei den Badenern sind Spielmacher Tamas Hajnal und Torhüter Markus Miller - bis zu seinem Kreuzbandriss am 11. Spieltag der große Rückhalt.

Nachwuchsfänger: Neben Miller überzeugten Leverkusens Rene Adler, Schalkes Manuel Neuer und Münchens Michael Rensing. Auch einige Patzer ändern nichts an der Klasse der jungen Torhüter. Ihnen gehört die Zukunft.

Barbarez: Der Bosnier stand bei Bayer Leverkusen schon auf dem Abstellgleis, erlebt aber gerade den dritten Frühling. Nach der Knie-Verletzung von Bernd Schneider rutschte der 36-Jährige ins Team und zeigt seitdem alte Klasse.

FLOPS:

Der "Club": Die Lage beim Pokalsieger 1. FC Nürnberg erinnert an die Saison 1968/69, als der "Club" als Meister in der Folgesaison abstieg. Mit nur 9 Punkten ist Nürnberg Drittletzter. "Wir spielen nicht schlecht, aber erfolglos", sagt Trainer Hans Meyer.

VfB Stuttgart: Wie Nürnberg blieb auch der Überraschungsmeister VfB Stuttgart hinter den Erwartungen zurück. Besonders enttäuschend: die Neuverpflichtungen Ewerthon und Ciprian Marica. Marica ist als teuerster Vereinstransfer (7 Millionen Euro) noch ohne Tor. Der Ex-Dortmunder Ewerthon traf erst einmal. Nach zuletzt drei Siegen in Serie zeigt die Formkurve des VfB aber wieder nach oben.

Bundesligisten in Europa: Auf Europas großer Bühne gab es fast keine Lichtblicke. Stuttgart verlor alle vier Spiele in der Champions League, Schalke muss wie Bremen um die Uefa-Pokal-Qualifikation bangen. Gemeinsam sammelte das deutsche Trio in zwölf Spielen so viele Punkte (7) wie der norwegische Underdog Rosenborg Trondheim in vier Partien.

Carlos Alberto: Mit viel Vorschusslorbeeren kam der vermeintliche Mittelfeldstar für 7,8 Millionen Euro nach Bremen. Bislang stehen für den Brasilianer aber nur 41 Spielminuten bei zwei Einwechslungen zu Buche. Rätselhafte Schlafprobleme sollen der Grund dafür sein.

Ailton: Der frühere Torschützenkönig Ailton hat die "letzte Ausfahrt" MSV Duisburg verpasst. "Toni" wollte groß auftrumpfen, landete aber fast nur auf der Bank. Erst einmal traf der 34-jährige Brasilianer in Schwarze.

Medienboykott: Nach schwachen Leistungen versuchten es die Profis von Borussia Dortmund nach Schalker Vorbild mit einem fragwürdigen Medien-Boykott. Gebracht hat es wenig. Während Schalke seinerzeit zu alter Stärke zurück fand, blieben der BVB weiter fast alles schuldig. Nach 100 Tagen rangiert Dortmund auf Platz 13.