Bundesliga : Hertha spielt Stuttgart an die Wand

Die Berliner Hertha - in der letzten Woche noch als Abstiegskandidat gehandelt - hat den Befreiungsschlag geschafft und Meister VfB Stuttgart mit 3:1 besiegt. Die Tore erzielten erneut die bekannten Leistungsträger.

Hertha
Die Berliner Hertha - in der letzten Woche noch als Abstiegskandidat gehandelt - hat den Befreiungsschlag geschafft und Meister...Foto: ddp

StuttgartTorjäger Marko Pantelic hat Hertha BSC aus der Krise geschossen und den deutschen Meister VfB Stuttgart in die Verzweiflung gestürzt. Der Serbe erzielte beim 3:1 (2:1)-Sieg der Berliner vor 50.000 Zuschauern im Daimler-Stadion seine Saisontore Nummer acht und neun (7. und 45 Minute). Für die Gäste traf Neuzugang Raffael (49.). Das einzige Tor für den desolaten VfB erzielte Nationalstürmer Mario Gomez (40.). Die Schwaben zeigten eine Woche nach dem 1:4 auf Schalke, dass sie einen Uefa-Cup-Platz in dieser Saison allenfalls noch über den DFB-Pokal erreichen können. Zu allem Übel verlor der VfB in der 81. Minute noch Innenverteidiger Matthieu Delpierre durch eine Gelb-Rote Karte.

Hertha feierte das erste Erfolgserlebnis nach fünf Spielen ohne Sieg und muss zumindest vorerst nicht mehr an den Abstiegskampf denken. Nach der zuletzt leidenschaftslosen Vorstellung seiner Mannschaft setzte VfB-Trainer Armin Veh ein deutliches Zeichen: Stammkeeper Raphael Schäfer, der vor der Saison für 2,2 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg gekommen war und in 18 Spielen 29 Tore kassiert hatte, musste einem 19-Jährigen weichen: Sven Ulreich feierte sein Erstliga-Debüt und wurde von den VfB-Fans mit Applaus empfangen. "Er hat nicht so glücklich ausgesehen bei den Spielen, aber bei ihm ist es momentan eher so, dass ich ihn ein bisschen schützen muss", sagte Veh zu Schäfer.

VfB praktisch ohne Offensive

Ulreich wurde schnell warm geschossen: Nach nur sechs Minuten lenkte das Talent einen Freistoß von Patrick Ebert um den Pfosten, wenige Sekunden später war er gegen den Flachschuss von Pantelic ins linke Eck machtlos. Beide Abwehrreihen zeigten von Beginn an große Lücken. In der Berliner Hintermannschaft stand nach überstandener Achillessehnenverletzung erstmals wieder Nationalspieler Arne Friedrich. Der Kapitän hätte den Stuttgartern in der 18. Minute beinahe den Ausgleich beschert, als er im Strafraum Gomez von den Beinen holte. Der "Fußballer des Jahres 2007" bekam von Schiedsrichter Herbert Fandel jedoch keinen Strafstoß zugesprochen.

Der VfB brachte in der Offensive kaum etwas zustande. Die Pässe von Yildiray Bastürk, der sich gegen seinen Ex-Verein so viel vorgenommen hatte und völlig blass blieb, von Nationalspieler Thomas Hitzlsperger und Sami Khedira landeten fast immer im Niemandsland. Die Vorarbeit zum 1:1 musste deshalb Cacau leisten, der nach seiner Schulteroperation erstmals wieder auf dem Platz stand: Der Brasilianer bediente seinen Sturmpartner Gomez, der zum achten Tor in dieser Runde einköpfte.

Doch die Gastgeber hatten in der Defensive weiterhin ihre Aussetzer: Nur fünf Minuten später spielte Pantelic den schwachen Kapitän Fernando Meira aus, tunnelte Ulreich und drehte jubelnd ab. Nachdem noch Raffael auf Zuspiel des eingewechselten Mineiro dem bedauernswerten VfB-Keeper den Ball zum 3:1 ins Netz um knallte, brach der VfB fast zusammen. Wie gelähmt wirkte der deutsche Meister danach und hatte Glück, dass Hertha weitere Chancen nicht nutzte. (jvo/dpa)