Bundesliga : Leverkusen entlässt Trainer Skibbe

Bayer Leverkusen hat nach einer durchwachsenen Saison und dem verpassten internationalen Geschäft Trainer Michael Skibbe den Laufpass gegeben. Die Nachfolge ist noch völlig offen.

Skibbe
Glücklos in Leverkusen. Trainer Michael Skibbe. -Foto: dpa

LeverkusenZwei Tage nach Thomas Doll ist auch Trainer Michael Skibbe an der Saisonanalyse gescheitert. Unter dem Eindruck des verkorksten Finales in der Fußball-Bundesliga hat Bayer Leverkusen ebenfalls die Reißleine gezogen und sich am Mittwoch von seinem Chefcoach Michael Skibbe getrennt. "Aufgrund der letzten Resultate und des verpassten Saisonziels Uefa-Cup entschlossen wir uns gemeinsam mit der Sportlichen Führung, die sofortige Trennung von Michael Skibbe vorzunehmen", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

"Wir haben in zahlreichen Gesprächen lange mit uns gerungen, weil Skibbe in seiner Amtszeit insgesamt eine sehr gute Arbeit geleistet hat", betonte Holzhäuser, der es nun aber lieber mit einem neuen Fußball-Lehrer versuchen will. "Unter dem Strich aber sprach vieles für einen unbelasteten Neuanfang mit einem neuen Trainer in der nächsten Saison."

Spekulationen schießen ins Kraut

Die nicht unbedingt erwartete Entlassung des 42-Jährigen lässt Raum für Spekulationen. Der bei Mainz 05 scheidende Jürgen Klopp, der als erster Kandidat für Dolls Nachfolge bei Borussia Dortmund gilt, soll Gerüchten zufolge auch ein heißer Anwärter auf den Trainerstuhl in Leverkusen sein. Doch noch gibt es nichts Konkretes.

Zum "Verhängnis" wurde dem bei den Bayer-Spielern äußerst beliebten Skibbe, der seinen Dienst bei Bayer im Oktober 2005 antrat und noch einen Vertrag bis 2009 besaß, das schwache Abschneiden im letzten Saison-Drittel. Die zuvor für ihren Offensiv-Fußball hoch gelobte Mannschaft brach völlig ein: Nur zwei der letzten zehn Spiele wurden gewonnen. Mit dem 0:1 am vorigen Samstag gegen Werder Bremen verspielte die Elf dann endgültig den Uefa-Cup, sogar der UI-Cup als Trostpreis blieb nicht mehr übrig.

Völler verliert den Machtkampf

Sportdirektor Rudi Völler erklärte: "Wie sich jeder vorstellen kann, war das für uns alle eine sehr schwierige Entscheidung. Durch mein langjähriges persönliches Verhältnis zu Skibbe für mich selbstverständlich ganz besonders", betonte der ehemalige DFB-Teamchef, der sich offenbar nicht gegen Holzhäuser und andere Skibbe-Gegner im Bayer-Umfeld durchsetzen konnte. Noch im März sagte Bayers Sportdirektor: "Wir sind total zufrieden mit ihm und wollen lange mit ihm zusammenarbeiten." Nach dem letzten Spieltag betont Völler, dass es besser sei, an Trainer Skibbe festzuhalten.

Skibbe wurde in einer Bayer-Pressemitteilung so zitiert: "Ich war sehr gern Trainer bei Bayer 04 Leverkusen, um bei der Umgestaltung der Mannschaft helfen zu können. Ich bedauere, dass wir in den letzten Wochen die sportlichen Erwartungen nicht erfüllen konnten. Ich freue mich aber trotzdem über die Entwicklung der Mannschaft, speziell einzelner Spieler wie René Adler, Gonzalo Castro, Simon Rolfes oder Tranquillo Barnetta." Der 42-Jährige verabschiedete sich am Mittwoch mit Stil: Seinem Nachfolger wünschte er "in Zukunft ein glückliches Händchen und viel Erfolg".

Adler übt Kritik an der Klubführung

Der unter Skibbe zum Nationaltorhüter gereifte Adler nahm die Entscheidung der Klub-Führung im DFB-Trainingslager auf Mallorca mit großem Bedauern auf. "Ich finde es sehr schade, weil ich der festen Überzeugung bin, dass Skibbe einen guten Job gemacht hat und für die weitere Entwicklung unseres Kaders wichtig gewesen wäre", sagte Adler, der durch seine konstanten Leistungen Timo Hildebrand aus dem deutschen EM-Team verdrängt hatte.

Adler räumte sogar eine Mitschuld an der Entlassung des ehemaligen Bundestrainers ein und ließ durchblicken, dass er die Entscheidung nicht nachvollziehen könne: "Wir als Mannschaft sind dafür verantwortlich, dass der Verein das Saisonziel in der Bundesliga verfehlt hat. Es ist in solchen Situationen im Fußball leider so, dass die Entlassung des Trainers der schnellste, aber nicht immer der richtige Weg ist."

Auch sein Team-Kollege Simon Rolfes blieb nichts anderes übrig, als "die Entscheidung der Vereinsführung zu akzeptieren". Ein Klub wie Leverkusen habe immer große Ambitionen, und die müssten nun "mit einem neuen Trainer realisiert werden". Wie Adler konnte aber auch Rolfes den bitteren Beigeschmack nicht verhehlen: "Wir wollten uns für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. Das haben wir nicht geschafft, und dann setzen gleich die Mechaniken des Metiers ein. Wir bedauern die Trennung von Skibbe, dem gerade viele junge Spieler in ihrer positiven Entwicklung viel zu verdanken haben." (ae/dpa)