Bundesliga-Rechte : ProSiebenSat.1 kritisiert Auflagen des Kartellamtes

Die Höhepunkte der Bundesligaspiele am Samstag sollen vor 20 Uhr im Free-TV zu sehen sein. Mit dieser Empfehlung stößt das Bundeskartellamt bei den privaten Sendestationen auf große Ablehnung. Der Vorwurf lautet, dass die Vormachtstellung der ARD damit zementiert werde.

Müchen/Berlin Nach dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) melden sich im Streit um die Aussschreibung der Fußball-Bundesliga-Übertragungsrechte nun auch die Privatsender zu Wort. "Wir sind grundsätzlich an den Bundesliga-Rechten interessiert. Allerdings müsste sichergestellt werden, dass auch die privaten Anbieter eine faire Wettbewerbs-Chance für eine zeitnahe Free-TV-Highlightverwertung erhalten", sagte ProSiebenSat.1-Deutschlandvorstand Andreas Bartl dem "Tagesspiegel". Wenn die ARD für die "Sportschau" weiterhin "willkürlich viel Gebührengelder" einsetzen und Werbeeinnahmen generieren könne, sei dies für andere Interessenten ein aussichtsloser Rahmen.

RTL will nach Angaben einer Sprecherin zunächst abwarten, wie die konkrete Ausschreibung aussieht. "Grundsätzlich haben wir weiter Interesse, aber nicht um jeden Preis", sagte eine Sprecherin auf ddp-Anfrage. Medienberichten zufolge zahlt die ARD pro Saison rund 100 Millionen Euro für die Bundesliga, der Bezahlsender Premiere rund 240 Millionen Euro. Bisher nahm die DFL pro Saison rund 450 Millionen Euro ein, Sirius sicherte für die Zukunft 500 Millionen Euro zu.

Das Kartellamt hatte vergangene Woche die zentrale Bundesliga-Rechtevermarktung über den Rechtehändler Sirius nur unter Auflagen freigegeben. Nach Auffassung der Behörde müssen Höhepunkte der Begegnungen am Samstag weiter vor 20.00 Uhr ausgestrahlt werden - im öffentlich-rechtlichen oder frei empfangbaren privaten Fernsehen.

Das Kartellamt festigt die Stellung der ARD, meint der VPRT

Der VPRT hatte die Haltung als "massive Einengung" kritisiert und der Behörde vorgeworfen, damit die Verhandlungsposition der ARD zu zementieren. Die Vorgabe, dass Öffentlich-Rechtlichen und Privaten für die Highlights vor 20.00 Uhr in Betracht kommen, bezeichnete Verbandspräsident Jürgen Doetz als "Scheinargument". Die ARD biete um die Rechte mit Gebührengelder, die Privaten könnten die Ausgaben durch Werbung nicht refinanzieren, kritisierte er.

Am Dienstag wollten Vertreter der DFL in Bonn mit den Wettbewerbshütern über das weitere Verfahren beraten. Mit einer Einigung rechnete die Branche noch nicht. Sollte das Kartellamt bei seinem Votum bleiben, dürfte der Deal zwischen DFL und Sirius platzen. "Dann steigen wir aus", zitierte der "Spiegel" bereits einen Beteiligten bei Sirius. Unklar ist auch, ob die Deutsche Fußball Liga die Rechte weiter über Rechtehändler vermarkten lässt. Der Rechtehändler hatte dem Ligaverband pro Saison im Schnitt 500 Millionen Euro Einnahmen aus den Übertragungsrechten zugesichert. Laut "Süddeutscher Zeitung" laufen beim DFL bereits erste Vorbereitungen, um die Rechte ohne Zwischenhändler selbst zu vermarkten. (lee/ddp)