Bundesliga : Trainer Stevens sieht HSV nicht als Bayern-Jäger

HSV-Trainer Huub Stevens tritt nach dem Sieg in Duisburg auf die Euphoriebremse, sieht sein Team nicht als ersten Verfolger des FC Bayern. Keeper Rost schlägt hingegen forschere Töne an.

Andreas Schirmer
Hubb Stevens
Begehrt: HSV-Trainer Huub Stevens dementiert Verhandlungen mit dem PSV Eindhoven. -Foto: ddp

DuisburgHuub Stevens hat den Hamburger SV binnen neun Monaten vom Abstiegskandidaten zum Titelanwärter in der Fußball- Bundesliga getrimmt. "Das bedeutet gar nichts. Es ist eine Momentaufnahme, mehr nicht", sagte der HSV-Coach nach dem 1:0 beim MSV Duisburg und dem Aufstieg auf Tabellenplatz zwei.

Als Jäger von Spitzenreiter Bayern München sieht er seine Hanseaten schon gar nicht. "Wir wollen besser als im letzten Jahr sein und uns direkt für den Uefa-Cup qualifizieren", sagte der Niederländer und fügte an: "Da muss man Realist bleiben."

"Wir sind auf einem guten Weg"

   Als der 53-Jährige am 2. Februar die Nachfolge von Thomas Doll antrat, stand der HSV auf dem letzten Rang. Seitdem holte er mit seiner Mannschaft 50 Bundesliga-Punkte, gewann zuletzt acht Spiele und erreichte ein Remis - inklusive der Uefa-Cup-Spiele. "Wir sind auf einem guten Weg", resümierte Stevens dennoch nur schroff.

Der bärbeißige Ex-Profi, der mit harter Hand regiert und auf Disziplin pocht, hat auch Spieler und Stab auf das hanseatische Understatement eingeschworen. "Wir sind jetzt nicht so vermessen, dass wir um die Meisterschaft mitspielen wollen", sagte Bastian Reinhardt denn auch brav. Und mit der Euphorie, die die Erfolgsserie in der Stadt des sechsmaligen deutschen Meisters bei den Fans auslösen wird, könne man auch umgehen. "Dies wissen wir schon einzuordnen."  

Als einziger wollte sich HSV-Torwart Frank Rost der verordneten Zurückhaltung nicht anpassen und freute sich auf die neue Rolle an der Spitze der Liga. "An die Situation müssen wir uns noch gewöhnen, aber wir werden jetzt in den nächsten Spielen der Favorit sein", meinte der Ex-Schalker und fügte an: "Die Mannschaft ist intakt. Ich glaube, dass wir da oben bleiben können."

 

Rost lobt Stevens

Kein Frage ist für ihn, dass Stevens für die hanseatische Renaissance wesentlich verantwortlich ist. "Dem Trainer gebührt als Erstem der Erfolg, weil er auch als Erster in die Kritik gerät, wenn es nicht so läuft." Mit dieser Logik ist HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, dessen Ablösung in Hamburger Krisenzeiten zur Debatte stand, bestens vertraut. "Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir die meisten Entscheidungen richtig getroffen haben", sagte er mit Genugtuung.

Es gebe im Fußball aber eine Dynamik, in der schnell alles in Frage gestellt werde. "Umso schöner ist es nun, wenn der Erfolg zurückkehrt." Zuletzt konnte sich der HSV dafür bei "Vorstopper" Vincent Kompany bedanken: Der Belgier schoss für die Fußball- Minimalisten sowohl am vergangenen Donnerstag im Uefa-Pokal bei Brann Bergen (1:0) als auch in Duisburg (37. Minute) das Siegtor. "Vielleicht werde ich noch ein richtiger Torjäger", freute er sich.

Tristesse herrschte dagegen beim Aufsteiger, der auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschte. "Dass wir zu wenig Punkte haben, wissen wir selber", sagte MSV-Trainer Rudi Bommer, der zwei Tage vor der Partie seinen Vertrag bis 2010 verlängert hatte. Gleichzeitig warb er um Geduld: "Es sind 13 neue Spieler im Kader, da kann es noch nicht hundertprozentig rund laufen." Obwohl seine Profis mit recht limitierten Mitteln zu Werke gingen, hätten sie auf Grund der kämpferischen Leistung einen Punkt verdient gehabt. "Das wäre gerecht gewesen", so Bommer. (mit dpa)