Bundesliga : VfB sauer über Abwerbeversuche

"Wir sind nicht der Ausbildungsverein von Juventus Turin": In Stuttgart hat man offenbar Angst, dass die großen europäischen Vereine den eigenen Kader leer kaufen könnten. Von einem erneuten Titelgewinn gehen die Schwaben indessen nicht aus.

Veh
Will keine Spieler abgeben: VfB-Trainer Armin Veh. -Foto: ddp

StuttgartDer deutsche Meister VfB Stuttgart ist sauer darüber, dass ausländische Verein seine neuen Stars wie Mario Gomez abwerben möchten und will sich beim Weltverband offiziell beschweren. "Wir werden die Fifa einschalten. Wir können nicht zulassen, dass sich irgendwelche ausländischen Vereine an unsere Spieler ranmachen und sie verrückt machen", sagte Teammanager Horst Heldt vor dem Trainingsauftakt des Bundesligisten. Wie seine Profis derzeit angegangen werden, sei "bodenlos und eine Frechheit". Zudem betonte Heldt: "Ich sage hier ein für alle Mal: Wir werden in dieser Saison keinen Spieler abgeben."

Zuletzt waren Torjäger und Nationalspieler Gomez sowie Kapitän Fernando Meira mit Juventus Turin in Verbindung gebracht worden. Nach einer Fifa-Regel müssen sich Vereine, die sich für einen noch unter Vertrag stehenden Profi interessieren, zunächst an dessen derzeitigen Klub wenden. Dass diese Vorschrift offensichtlich nur auf dem Papier steht, hat der VfB in den vergangenen Wochen zu spüren bekommen. "Jetzt ist irgendwann mal Schluss", meinte Trainer Armin Veh. Und Heldt erklärte unmissverständlich: "Wir sind nicht der Ausbildungsverein von Juventus Turin."

Wer will Ljuboja und Tomasson?

Im Gegensatz zu den Senkrechtstartern wie Gomez, Roberto Hilbert, Serdar Tasci und Sami Khedira will der VfB seine in Ungnade gefallenen und zuletzt ausgeliehenen Stürmer Danijel Ljuboja (Hamburger SV) und Jon Dahl Tomasson (FC Villareal) loswerden. Für beide gebe es Interessenten. "Natürlich haben wir vor, noch zwei Stürmer zu verpflichten", bestätigte Heldt, nachdem auch Angreifer Marco Streller (zurück zum FC Basel) den Verein verlassen hat. Heißer Kandidat bleibt der Brasilianer und frühere Dortmunder Ewerthon vom spanischen Erstligisten Real Saragossa.

 Während der Teammanager trotz eines Kurzurlaubs in Österreich pausenlos am Telefon hing, hat 41 Tage nach dem euphorisch gefeierten Titelgewinn auch für die Spieler der Arbeitsalltag wieder begonnen. Am Freitag stand ein Laktattest an, bevor es an diesem Samstag zu einem einwöchigen Lauftrainingslager nach Donaueschingen geht. Bestens erholt zeigte sich Veh nach dem Urlaub in Italien und Mallorca. "Ich habe zwei Kilo zugenommen, aber gehofft, dass man das nicht sieht", meinte er lächelnd.

Veh: Topfavorit sind die Bayern

Wie schon in der vergangenen Saison möchte der VfB auch in diesem Jahr kein Ziel ausgeben, das an einen Tabellenplatz gebunden ist. "Wir haben gezeigt, dass man nicht Ziele vorgeben muss, um etwas zu erreichen", sagte Veh sechs Wochen vor dem ersten Spiel gegen den FC Schalke 04. Topfavorit auf die Meisterschaft sei ohnehin der FC Bayern München - "bei diesen Investitionen, die der Verein getätigt hat".

Die Personalie Veh soll - wenn es nach dem Erfolgscoach geht - erst zum Jahresende angegangen werden: "Wir haben einen klaren Fahrplan. Wir machen das in der Winterpause. Dann weiß man, was los ist und wohin die Reise geht." Der Vertrag des 46-Jährigen läuft am 30. Juni 2008 aus.

Trainingslager in Österreich

Möglichst ungestört von irgendwelchem Transfergerangel will der Pokalfinalist sein Trainingslager vom 11. bis 20. Juli in Irdning/Österreich abhalten. Spätestens dann sind auch die Nationalspieler Meira, Thomas Hitzlsperger, Pavel Pardo, Ricardo Osorio und Ludovic Magnin mit von der Partie.

Die wichtigsten neuen Gesichter präsentierte der VfB bei seiner Pressekonferenz: Raphael Schäfer, der in die Fußstapfen von Torwart Timo Hildebrand treten soll, Spielmacher Yildiray Bastürk von Hertha BSC und Manndecker Gledson von Hansa Rostock. "Die Nationalmannschaft ist ein Ziel. Ich hoffe natürlich, dass ich das hier eher erreichen kann als in Nürnberg", sagte Schäfer. (mit dpa)