Bundesliga : Wird Breitner bei den Bayern handzahm?

Paul Breitner soll in Zukunft noch enger mit dem FC Bayern zusammenarbeiten. Einer der größten Kritiker der Münchner hat bereits seine Kolumne aufgegeben.

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Gefürchteter Kritiker: Paul Breitner soll enger mit dem FC Bayern zusammenarbeiten. -Foto: ddp

Donaueschingen Auf dem Platz bläst der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München zum Generalangriff, abseits des Rasens will Uli Hoeneß dagegen leisere Töne anschlagen. "Ich finde, dass ich schon seit Jahren keine Attacke mehr fahre. Das ist ein Klischee, das einem immer anhängt. Ich werde mich in diesem Jahr noch mehr zurücknehmen", kündigte der Bayern-Manager das endgültige Ende der "Abteilung Attacke" an. Beim Trainingslager in Donaueschingen gab der Münchner Macher zudem bekannt, dass man die Zusammenarbeit mit dem 74er-Weltmeister Paul Breitner ausbauen wolle. Der 55 Jahre alte ehemalige Bayern-Profi soll den Vorstand der FC Bayern AG in den kommenden zwei Jahren bei Transfers beraten und Spieler beobachten.

Details der Zusammenarbeit mit dem einstigen Weggefährten, der seine oftmals bayern-kritische Kolumnisten-Tätigkeit bei einer großen Sonntags-Zeitung beendet hat, verriet Hoeneß nicht. Erst muss über die Personalie Breitner noch im Aufsichtsrat des Rekordmeisters gesprochen werden. "Wir haben in den letzten fünf Monaten sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht", begründete Hoeneß die ausgedehnte Weiterbeschäftigung Breitners nach dem großen personellen Umbruch in der Mannschaft.

Hoeneß: "Es hat sich vieles zum Positiven verändert.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert lenkt Hoeneß vom Manager-Posten die Geschicke des Vereins, doch Geld ausgeben wie vor dieser Saison musste er noch nie. Bislang springen Fans und Journalisten auf das neue Star-Ensemble an, Hoeneß verspürt eine regelrechte Begeisterung um den FC Bayern. "Es hat sich vieles zum Positiven verändert. Es macht Spaß, vieles ist anders, vieles ist neu. Das neue Trainerteam bringt frischen Wind in den Verein", stellt auch Hoeneß Veränderungen fest.

Von einer Bierbank aus beobachtete der mächtige Manager bei April-Wetter erstmals eine Einheit der neuen Bayern im Trainingslager. Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger fehlte mit Oberschenkelproblemen, Nationalmannschafts-Kollege Marcell Jansen stieg dafür ins Training ein. Wie gewohnt wird der Manager auch im Schwarzwald die Nähe zur Mannschaft halten, nach der Übungsstunde am Dienstag suchte er das Einzelgespräch mit Team-Senior Oliver Kahn (38). "Oliver Kahn ist Kapitän und bleibt Kapitän. Deshalb wird er immer eine Führungsrolle haben", betonte der Manager.

Hoeneß for President?

Während Kahn laut Hoeneß "wahrscheinlich im letzten Jahr seiner Karriere ist", schwieg er sich über das Ende der eigenen Erfolgs-Laufbahn als Manager aus: "Das müssen wir nicht heute besprechen." Der frühere Welt- und Europameister hatte aber bereits Ambitionen geäußert, 2009 vom Manager-Sessel auf den Präsidenten-Thron zu wechseln und dort Franz Beckenbauer zu beerben. Amtsmüde ist Hoeneß jedenfalls noch lange nicht, mit großer Spannung verfolgt er den Neuanfang in der Mannschaft des FC Bayern. "Spieler zu holen ist das eine, Erfolg zu haben das andere", sagte er. Erst in ein, zwei Jahren will er ein Fazit abgeben, ob der eingeschlagene Kurswechsel erfolgreich war. In den ersten Wochen ist ohnehin Geduld gefragt.

"Es kann nicht sein, dass die aus aller Herren Länder herkommen und es nach vier Wochen funktioniert. Das wäre unnormal", mahnte der Manager, der zwar selbst eine gewisse Unruhe und Nervosität verspürt, doch von seiner Marschrichtung nicht abweichen will: "Unser Ziel ist deutscher Meister zu werden. Ich kann mit dieser Mannschaft nicht sagen, ich will Dritter werden." (mit dpa)