Bundestrainer im Interview : Löw erwartet "eine spannende Saison"

Bundestrainer Joachim Löw sieht Bayern München als Meisterschaftsfavorit, rechnet aber nicht mit einem Münchner Alleingang. Im Interview spricht er auch über die Nationalmannschaft in der Spielzeit der EM 2008.

070809loew
Bundestrainer Löw freut sich auf die neue Bundesliga-Saison. -Foto: ddp

Was erwartet der Bundestrainer von der EM-Saison?



In erster Linie erwarte ich eine spannende Saison. Der Fußball in Deutschland boomt, selten war die Vorfreude so groß wie vor dieser Saison, weil es so viele offene Fragen gibt. Können die Bayern ihrer Favoritenrolle gerecht werden, kann Stuttgart wieder so stark auftrumpfen wie in der Vorsaison, was machen Schalke und Bremen, und gibt es wieder eine Überraschungsmannschaft? Zudem erwarte ich wieder eine tolle Atmosphäre in den Stadien, auf die ich mich auch sehr freue.

Kann der Auftritt von Wacker Burghausen gegen die Bayern im DFB-Pokal den Münchner Konkurrenten Mut für die Meisterschaft machen?

Ich glaube noch nicht mal, dass das nötig ist. Die Bayern zählen aufgrund ihrer Neueinkäufe sicherlich zum Favoritenkreis. Aber ich erwarte keinen Alleingang der Bayern. Gegen diese Mannschaft wird jeder Gegner diese Saison noch motivierter sein, als das gegen die Bayern in der Regel ohnehin der Fall ist. Ich glaube schon, dass Stuttgart, Schalke und Bremen wieder ein Wort mitsprechen. Die Bayern haben zwar im Ligapokal überzeugt, aber es war immer so, dass die Titel nicht vor der Saison vergeben werden. Stuttgart hatte in der vergangenen Spielzeit auch keiner auf der Rechnung.

Welche Rolle werden die Aufsteiger Karlsruhe, Rostock und Duisburg spielen?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke aber, dass diese Mannschaften die Qualität haben, die Klasse zu halten.

Was wünschen Sie sich von den Kandidaten für die Nationalmannschaft?

Zu einen, dass sie sich durch die Bank weiterentwickeln, was natürlich besonders für die jüngeren Spieler gilt, zum anderen, dass sie gesund durch die Saison kommen. Zudem haben alle unsere Spieler eine Checkliste, was ihre eigenen Belange betrifft. Wir werden intensiv überprüfen, inwieweit die Spieler an ihren Defiziten arbeiten.

Wie viele Spieler stehen für die EM auf Ihrer Liste?

Ich will mich nicht auf eine Zahl festlegen. Tatsache ist, dass vor der WM der Kreis der Nationalmannschaftskandidaten viel kleiner war. Mittlerweile haben wir viel mehr Auswahl, was ich natürlich positiv bewerte. Ich erhoffe mir, dass sich Spieler wie Neuer, Tasci, Khedira oder Pander, die in der vergangenen Saison bereits auf sich aufmerksam gemacht haben, weiterentwickeln. Zudem kommen mit Asamoah oder auch Kehl Spieler zurück, die lange verletzt waren. Aber es besteht auch nach wie vor die Möglichkeit, dass sich noch jemand in den Kreis reinspielt, von dem heute noch keiner spricht. Bis Jahresende will ich mir über die Anzahl der Kandidaten noch keine Gedanken machen, im neuen Jahr muss ich den Kreis dann zwangsläufig verkleinern.

Was ist mit Spielern wie David Odonkor oder Robert Huth, die nach der WM praktisch von der Bildfläche verschwunden sind?

Das sind nach wie vor Spieler, die wir auf der Liste haben, die aber teilweise verletzungsbedingt in der vergangenen Saison nicht so zum Zuge gekommen sind. Wir wissen aber, was wir an ihnen haben, das haben sie in der Nationalmannschaft ja schon bewiesen.

Und was ist mit den Stürmern Patrick Helmes oder Oliver Neuville, die in der zweiten Liga spielen?

Da sehe ich keine Probleme. Wenn sie in der zweiten Liga ihre Leistung bringen, sind sie auch für uns ein Thema.

Am 22. August findet das erste Saison-Länderspiel der deutschen Mannschaft in England statt. Wann werden Sie ihr Aufgebot benennen und welche personellen Probleme plagen Sie?

Ich werde am kommenden Donnerstag das Aufgebot benennen. Torsten Frings und Lukas Podolski werden definitiv fehlen, hinter Michael Ballack steht ein großes Fragezeichen. In so einem Spiel wäre es natürlich sehr ärgerlich, wenn eine eingespielte Achse wie Frings/Ballack ausfällt. Wenn es aber so kommen sollte, werden wir eine andere Lösung finden. (mit sid)