Bundeswehr-Einsatz : Afghanischer Außenminister fordert militärisches Engagement

Unterstützung für Afghanistan: Rangin Spanta, Außenminister des Landes, hofft auf eine Verlängerung des Einsatzes der Bundeswehr im Rahmen des Isaf-Mandates. Die ablehnende Haltung der Grünen zum Isaf-Mandat enttäuscht ihn.

BerlinVor der Abstimmung des Bundestags über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes hat der afghanische Außenminister Rangin Spanta weitere militärische und zivile Hilfe für sein Land gefordert. Ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und Deutschlands wäre "die Situation hier sehr schlimm", sagte Spanta im ZDF. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, sprach sich für eine Verstärkung der Aufbauhilfe aus.

Der deutsche Isaf-Stabschef Bruno Karsdorf klagte über fehlende Unterstützung der Bundeswehr-Mission in der Öffentlichkeit. Der Bundestag entscheidet am Freitag über eine Verlängerung des Einsatzes. Spanta sagte, die deutschen Truppen und Zivilisten leisteten "im Prinzip aus meiner Sicht Friedensarbeit". "Die Bundeswehr baut hier Straßen, Schulen, Wasserbrunnen", sagte er. Spanta bedauerte, die deutsche Debatte um den Einsatz werde der afghanischen Realität nicht gerecht. Er kündigte an, über seine Mitgliedschaft bei den Grünen nachzudenken, "wenn die Fraktion geschlossen gegen deutsches Engagement in Afghanistan stimmen würde".

Probeabstimmung bei den Grünen

Spanta war während seines langen Deutschlandaufenthalts Parteimitglied geworden. Bei einer Probeabstimmung der Grünen stimmten am Dienstag 15 der anwesenden 48 Parlamentarier mit Ja, 26 enthielten sich und sieben stimmten mit Nein. Robbe sagte, für den zivilen Aufbau in Afghanistan sei auch die Unterstützung der deutschen Öffentlichkeit nötig. Es müsse den Menschen vor Augen geführt werden, "dass es ohne diese massive Hilfe gerade im zivilen Wiederaufbau nicht geht", sagte er.

Karsdorf beklagte im Interview mit dem Magazin "Stern" fehlende Unterstützung der Militärmission. "Das Unverständnis, das zu Hause über den Einsatz geäußert wird, bedrückt", sagte Karsdorf. FDP-Chef Guido Westerwelle forderte mehr Geld und Personal für den Aufbau der afghanischen Polizei. Er werde die Bundesregierung zu größeren Anstrengungen auffordern, sagte er der "Berliner Zeitung". (mit AFP)