Der Tagesspiegel : Cargolifter: Bahnen frei für das größte Luftschiff der Welt

Claus-Dieter Steyer

Dieser Schneidetisch dürfte in der Welt einmalig sein: 262 Meter lang und fast vier Meter breit. Auf ihm werden seit Donnerstag in der 60 Kilometer südlich Berlins gelegenen Cargolifter-Werft in Brand die Hüllen für ein riesiges Luftschiff und einen Transportballon gefertigt. Den roten Knopf zum Start dieses elektronisch gesteuerten und mit Dutzenden von Pumpen ausgestatteten Wunderwerks der Technik drückte am Nachmittag Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU). "Das ist bisher der wichtigste Tag für das Unternehmen", meinte der Minister. Nun seien die Luftschiffe zum Transport großer Lasten nicht mehr nur eine faszinierende Idee. "Endlich beginnt die Produktion, was sehr wichtig für das Vertrauen der Aktionäre und Investoren ist."

Fürniß versprach jedoch keine zusätzlichen Finanzmittel. Die Landesregierung werde vorerst nur bei der Investoren- und Partnersuche behilflich sein. Von den bisher auf dem früheren russischen Militärflughafen investierten 200 Millionen Mark stammen 35 Millionen aus der Landeskasse. Wenige Stunden vor dem Produktionsstart hatte Bundespräsident Johannes Rau mit seinem Mitarbeiterstab die größte frei tragende Halle der Welt besichtigt.

Die auf dem großen Schneidetisch geschnittenen und anschließend zusammengeschweißten Bahnen bestehen aus einer rund einen Millimeter starken Kunststoffschicht. Etwa ein Jahr dauert die Fertigung der 58 000 Quadratmeter großen Außenhaut eines 260 Meter langen Luftschiffes. Sie muss dem Druck von rund 550 000 Kubikmetern Helium aushalten.

Der erste Cargolifter CL 160 soll 2004 aus der Werfthalle schweben. Zwei Jahre später plant das Unternehmen die Serienfertigung. Bereits im nächsten Jahr werden die ersten Transport-Ballons CL 75 mit einer Tragfähigkeit von 75 Tonnen angeboten. "Uns erreichte dieser Tage ein Anruf aus New York", sagte der Vorstandsvorsitzende Carl von Gablenz. "Wir wurden nach unserem fliegenden Kran gefragt, denn der wäre bei den Aufräumarbeiten am World Trade Center sehr gut geeignet." Tatsächlich sei es möglich, mit dem Ballon schwerste Teile nach oben zu ziehen. Herkömmliche Kräne könnten unförmige Beton- und Stahlträger nur zur Seite zerren und so weitere Einstürze auslösen. Der Transportballon stehe lange Zeit über einem Einsatzort und könne leicht vom Boden oder von der Luft aus bewegt werden. Leider sei er noch nicht einsatzbereit - "aber diese Nachfrage zeigt das Interesse an unserer Technologie".

Deshalb sei er auch nicht über die zur Serienfertigung fehlenden 320 Millionen Euro beunruhigt, sagte von Gablenz. "Unsere 65 000 Aktionäre besitzen Vertrauen in unser Projekt. Sie sind nicht auf die schnelle Mark aus, sondern wollen die faszinierende Idee unterstützen." Deshalb rechne er fest mit dem Verkauf weiterer Aktien. Außerdem gebe es Zusagen von "strategischen Investoren", Kapital zur Verfügung zu stellen.

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