Castro im Fernsehen : ''Er lebt noch, weil er Fidel ist''

Der erkrankte kubanische Präsident Fidel Castro ist erstmals wieder seit mehr als drei Monaten im kubanischen Staatsfernsehen zu sehen gewesen. Der stark abgemagerte Revolutionsführer ist offenbar bei relativ guter Gesundheit.

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Fidel Castro -Foto: AFP

HavannaWährend des fast einstündigen Unterredung sprach der 81-Jährige erneut auch ausführlich über die Unausweichlichkeit des Todes. Castro gab keine Details über seinen Gesundheitszustand preis, machte sich jedoch über Spekulationen lustig, dass es ihm schlechter gehe. Er trug über dem Schlafanzug eine Trainingsjacke in den Farben der kubanischen Nationalmannschaft.

"Ob man im Sterben liegt, oder ob man morgen stirbt, ... niemand weiß, an welchem Tag man stirbt", sagte Castro in Anspielung auf Gerüchte in Kuba über seinen schlechter werdenden Gesundheitszustand. Sie waren in den vergangenen Wochen vor allem deswegen entstanden, weil sich Castro, der das Land 47 Jahre angeführt hatte, fast vier Monate nicht mehr im Fernsehen gezeigt oder mit Fotos der kubanischen Öffentlichkeit präsentiert hatte.

Chávez: Castro stand "kurz vor dem Tod"

Unterdessen verriet der venezolanische Präsident und Freund Kubas, Hugo Chávez, weitere Einzelheiten über die Krankengeschichte Castros, die im August des vergangenen Jahres begonnen hatte und in Kuba zum Staatsgeheimnis erklärt worden war. Castro habe vor einem einem Jahr "kurz vor dem Tod" gestanden, sagte Chávez. Praktisch das gesamte Blut des Kranken sei damals ausgetauscht worden, verriet der venezolanische Staatspräsident am Rande seines Besuchs in Brasilien. "Er lebt noch, weil er Fidel ist", sagte Chávez gegenüber Journalisten.

Dem "Máximo Líder" gehe es inzwischen aber viel besser. Er könne "noch 100 Jahre am Leben bleiben". Er habe zuletzt vor zwei bis drei Wochen mit Castro telefoniert, so Chávez. Dabei habe Fidel ihm gesagt, er sei sehr glücklich. Dank der Krankheit habe er jetzt "endlich mehr Zeit zum Fernsehen, Schreiben und Denken".

Kubas Staatschef erholt sich seit gut 13 Monaten von einer schwierigen Darmoperation. Die Amtsgeschäfte in Havanna führt deshalb seitdem Bruder Raúl. Fidel Castro regierte Kuba nach der Revolution von 1959 bis zu seiner Erkrankung am 31. Juli 2006 ununterbrochen.

Auch aktuelle Themen Teil der Fernsehaufnahmen

Der kubanische Revolutionsführer sprach über aktuelle internationale Themen wie die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar und steigende Preise für Rohöl. Auch kritisierte er erneut die US-Außenpolitik und äußerte sich zum Klimawandel. Um offensichtlich die Aktualität der Aufnahmen noch zu unterstreichen, zeigte Castro ein Exemplar der in dieser Woche erschienenen Autobiografie des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan.

Es waren die ersten Fernsehbilder des 81-Jährigen seit einem Interview am 5. Juni 2007. Seit seiner Operation ist Castro nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. (mit dpa/AFP)