CDU-Landesparteitag : Worte des Dankes, Tränen der Rührung

Die Brandenburger CDU wählt Jörg Schönbohm zu ihrem Ehrenvorsitzenden und gibt sich wenige Monate vor der Wahl erstaunlich geschlossen.

Thorsten Metzner
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Applaus für den Wiedergewählten Jörg Schönbohm. -Foto: dpa

PotsdamPotsdam - Und dann tritt plötzlich Jörg Schönbohms Frau ans Rednerpult. Zum ersten Mal überhaupt auf einem Parteitag der märkischen Christdemokraten. Es ist ein bewegender Moment für Brandenburgs CDU und ihren früheren Parteichef und Innenminister. Gerade wurde er zum Ehrenvorsitzenden dieser Partei gewählt, die ihm auch so manche schlaflose Nacht bereitet hat. „Liebe Mitbrandenburger! Mein Ehrenvorsitzender ist er schon lange“, sagt Eveline Schönbohm in ihrer sehr persönlichen Danksagung: Jörg Schönbohm habe ihr gegenüber „schon vor 68 Jahren im Sandkasten gesessen“, und dann, ein paar Jahre später, habe er sie gewählt, „als seine Vorsitzende“. Es ist ein Ton, sehr privat und doch politisch, mit dem die selten im Rampenlicht stehende Frau an seiner Seite einen Nerv im Saal trifft. Schönbohm sei ein Mensch, der „seine Kraft aus dem Inneren seiner Brandenburger Wurzeln nimmt“, der auch im Land „gebuddelt“ hat: „Er hat immer etwas vor.“ Da kommen Jörg Schönbohm die Tränen. Und viele im Saal sind gerührt.

Ja, es ist der Parteitag einer späten Versöhnung. Beinahe vergessen ist in diesen Minuten, dass sich diese Brandenburger CDU Anfang 2007 nach dem Rückzug ihres Vorsitzenden, der sie einst aus dem Tal der Daueropposition in die Regierung geführt hatte, in Graben- und Lagerkämpfen beinahe zerlegte. Die Partei ließ Schönbohm schier verzweifeln, jetzt aber verspricht der neue Ehrenvorsitzende Unterstützung, nicht nur im Wahlkampf. „Ich bin dabei“, sagt Jörg Schönbohm. Und fügt hinzu: „Aber ich werde auch sagen, was ich denke.“ Zuvor hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einer Videobotschaft Schönbohm als „Patrioten“, „wunderbaren Kameraden“, „persönlichen Freund“ und herausragenden Innenminister gelobt, der sich nicht nur um die CDU in Brandenburg, sondern in Deutschland verdient gemacht habe. Und eher nebenbei hatte Schäuble ein Geheimnis gelüftet: Schon 1994, also vor der Landtagswahl, aus der dann Manfred Stolpe als SPD-Alleinherrscher hervorging, habe es einen ersten Anlauf gegeben, Jörg Schönbohm, damals parteiloser General, zum CDU-Spitzenkandidaten zu machen. Man sei aber vor dieser Außenlösung zurückgeschreckt. Fünf Jahre später war die CDU dann reif dafür.

Doch nicht nur die Kür des Ehrenvorsitzenden zeigte es, auch der sonst eher ruhige Routineparteitag, auf dem die Christdemokraten ihr Wahlprogramm beschlossen: Die Union präsentiert sich wenige Monate vor dem 27. September geschlossen. „Wir haben geschafft, was uns niemand zugetraut hat. Ich bin stolz auf meine Partei“, sagte Parteichefin und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka. Doch zeigte ihr Auftritt auch, wie sich die Zeiten, der Stil geändert haben. Anders als ihr Vorvorgänger Jörg Schönbohm vermied Wanka massive Attacken gegen die SPD. Selbstbewusst hob sie in einer sachlichen Rede von der CDU durchgesetzte Erfolge der Landesregierung hervor, etwa in der Bildungspolitik. „Wir haben das Land entstaubt und geöffnet.“ Sie habe kein Problem damit, dass Platzeck sich noch nicht auf Rot-Schwarz festlege: Wenn er die erfolgreiche Politik fortsetzen wolle, dann müsse er sich für die Union entscheiden. „Dieses Land gehört nicht der SPD.“

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