Der Tagesspiegel : CDU: Professor Helm wird überprüft

Thorsten Metzner

Von der märkischen SPD hieß es wegen des hohen Anteils von früheren Seelsorgern in ihren Reihen gelegentlich, sie sei eine pastorale Partei. Brandenburgs CDU könnte dagegen für sich in Anspruch nehmen, eine ziemlich professorale Partei zu sein. Zumindest, wenn es um die Professorendichte auf Spitzenposten der rotschwarzen Regierung geht, schlagen die Christdemokraten den Koalitionspartner tatsächlich um Längen. Justizminister Kurt Schelter, Kulturministerin Johanna Wanka, die Liste ließe sich fortsetzen. Bei der SPD dagegen - weit und breit Fehlanzeige. Erleichtert ein akademischer Grad etwa die Karriere in der Brandenburger CDU? Kommt man als Professor bei den Märkern gar besser an?

"Ob jemand einen solchen Titel trägt oder nicht, ist für die Brandenburger völlig belanglos", sagt CDU-Fraktionschefin Beate Blechinger resolut. "Es interessiert die Leute nicht." Nun ja, zumal die CDU mit umstrittenen Professorentiteln - unrechtmäßiges Tragen ist in der Bundesrepublik ein Straftatbestand - so ihre Probleme hat. In der Vergangenheit war bereits Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß wegen eines US-amerikanischen Titels in Schwierigkeiten geraten. Und nun prüft das Kultusministerium von Sachsen-Anhalt, ob dem neuen CDU-Kulturstaatssekretär Christoph Helm - die erste Personalentscheidung der neuen Kulturministerin Prof. Johanna Wanka - der Professorentitel wieder zu entziehen sei. Der studierte Altphilologe war 1995 vom "ukrainischen Luftfahrtinstitut Charkow" zum Honorarprofessor ernannt worden. Unmittelbar vor seinem Wechsel nach Brandenburg hatte das Magdeburger Kultusministerium diese Professur plötzlich genehmigt, nachdem ein erster Anlauf Helms - dort als Abteilungsleiter tätig - im Jahr 1995 fehlgeschlagen war.

CDU-Fraktionschefin Blechinger nimmt den Staatssekretär, der bis zur Klärung des Vorgangs auf das Führen des Titels verzichtet, ausdrücklich in Schutz. Er habe sich nichts vorzuwerfen, leiste eine solide Arbeit. Wenn die Umstände der Genehmigung unklar seien, richte sich der Vorwurf allein gegen das Magdeburger Kultusministerium. "Da weiß offenbar die linke Hand nicht, was die rechte tut". Auch der Koalitionspartner SPD hält sich diesmal mit Kritik zurück.

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