Der Tagesspiegel : CDU-Vorsitz: Erstes Duell der Bewerber

Thorsten Metzner

Herzberg – Der Punktsieger? Die Antwort von Rolf Hilke, CDU-Kreischef in Oder-Spree, ist so diplomatisch wie eindeutig: „Sven Petke hat Zwischenbeifall bekommen, aber Ulrich Junghanns hat mehr die Herzen erreicht.“ Das trifft wohl die Stimmung im Landgasthof „Simke“ in Herzberg, tiefe ostbrandenburgische Provinz, ziemlich genau: 50 Christdemokraten sind erschienen, weniger als erwartet, um das erste Rededuell der beiden Kandidaten für den Vorsitz der Brandenburger CDU zu verfolgen. Einer Partei, die in den Monaten „Elemente von Tragöde, Kriminalstück, Drama“ aufgeführt habe, wie Hilke bitter mahnt: Der neue Vorsitzende müsse die gespaltene Partei einen – und „nicht nur die Scherbenhaufen oberflächlich kitten“.

Dann das Rededuell, das gar keins wird. Petke und Junghanns reden nacheinander. Persönliche Angriffe? Kein einziger. Die letzten Zeit seien für ihn und seine Familie „nicht einfach gewesen“, sagt Petke. Der 38-jährige Ex-Generalsekretär geht auf die E-Mail- Affäre, auf die Vorwürfe gegen ihn, nicht ein. Er wirbt für eine erneuerte Partei, die zeitgemäße Antworten für Familien finden müsse. „Ich will, dass die CDU eine Partei der Bürger wird“. Junghanns wirkt anfangs unsicher, doch je länger er spricht, desto stärker wird er. Ihm tue die derzeitige Situation der CDU „physisch weh“, so Junghanns. Die Union könne nicht allein mit dem Programm, sondern nur mit vertrauenswürdigen Politikern punkten. Und nur mit ehrlichen Antworten. So widerspreche ein kostenloses Kita-Jahr– eine Petke-Forderung – dem bisherigen Profil. Dann spricht Junghanns sein „Handicap“ an. Er habe bisher Politik hinter dem starken Vorsitzenden Jörg Schönbohm gemacht. Das lasse ihn für manche blass erscheinen. Es gehöre aber zu seinem Verständnis, „loyal im Team zu spielen.“ Sätze wie die sind es, die den richtigen Ton treffen, die Sehnsucht an der CDU-Basis nach innerem Frieden.

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