Der Tagesspiegel : CDU-Vorsitz: Junghanns kandidiert

Thorsten Metzner

Potsdam - Es war seit Monaten ein offenes Geheimnis, jetzt ist es amtlich: Brandenburgs Wirtschaftsminister und CDU- Vizeparteichef Ulrich Junghanns hat offiziell seine Kandidatur für den Landesvorsitz der märkischen Union bekannt gegeben. Der 50-Jährige ist der Wunschnachfolger von Parteichef Jörg Schönbohm, der Anfang 2007 nach acht Jahren sein Amt abgeben will. „Ich will die CDU führen, ich kann die CDU führen“, sagte Junghanns am Montag auf einer Pressekonferenz in Potsdam. Er stehe für „Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Verantwortungsbewusstsein“.

Auf seinen Herausforderer, den über die E-Mail-Affäre gestürzten früheren Generalsekretär Sven Petke, ging Junghanns nicht direkt ein. Auch zu seiner künftigen Führungsmannschaft wollte sich Junghanns nicht äußern. Er warnte aber mit Blick auf die Grabenkämpfe in der Partei: „Die CDU darf nicht auf ein Netzwerk für Machtspiele eingedampft werden.“ Eine Spaltung der CDU gebe es nicht, „aber eine Spaltung der Spitze“, so Junghanns weiter. „Die Basis leidet darunter.“ Daher sei eine Entscheidung nötig. Seine Kandidatur sei als Angebot an alle CDU-Mitglieder zu verstehen, auf eine Zuordnung von Lagern lasse er sich nicht ein, so Junghanns. Er wolle die nötige Integrationskraft aufbringen.

Dass er seine Kandidatur nach monatelanger Zurückhaltung publik machte, begründete Junghanns mit den Sitzungen wichtiger Gremien, die in dieser Woche über Auswege aus der Führungskrise beraten wollen. Für Donnerstag hat CDU- Chef Schönbohm ein Treffen der 18 Kreisvorsitzenden anberaumt, am Freitag tagt der Landesvorstand. Dort soll auch über den Vorschlag Schönbohms entschieden werden, den Wahlparteitag am 27. Januar durchzuführen, wegen der Krise einige Monate früher als geplant.

Junghanns hatte sich in Bezug auf die eigenen Ambitionen bedeckt gehalten. Die CDU ist in der Frage der Schönbohm-Nachfolge gespalten. Junghanns kann bislang auf Schönbohm und die CDU-Ministerriege mit Johanna Wanka (Wissenschaft) und Beate Blechinger (Justiz), die Mehrheit und den Vorsitzenden der Landtagsfraktion sowie etwa die Hälfte der 18 Kreischefs zählen. Aber auch Ex-Generalsekretär Petke, der in den letzten Monaten politisch den Takt in der Union vorgab, hat ein dichtes Unterstützernetz. Dazu gehören Vizeparteichefin Barbara Richstein, der Europa-Abgeordnete Christian Ehler, und Kreis- chefs wie Dieter Dombrowski (Havelland) oder Saskia Funck (Potsdam-Mittelmark).

0 Kommentare

Neuester Kommentar