Champions League : Peinliche Show blamiert AC Milan

Schmierentheater um Mailands Torhüter Dida, Favoritenstürze und Ernüchterung für Timo Hildebrand und Bernd Schuster - der zweite Spieltag der Champions League bot hohen Unterhaltungswert.

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''Daneben gegriffen und simuliert'', titelt ''Tuttosport'' über Dida. -Foto: ddp

DüsseldorfFür die größte Schauspieleinlage sorgte dabei Milans Dida, der beim 1:2 des Titelverteidigers gegen Celtic Glasgow in "bester" Mailänder Tradition für einen peinlichen Höhepunkt sorgte. Unmittelbar nach seinem kapitalen Fehler, der Celtic in der Schlussminute den Siegtreffer durch Scott McDonald ermöglichte, wälzte sich der Brasilianer auf dem Boden, täuschte nach einer harmlosen Fan-Attacke eine Verletzung vor und ließ sich vom Feld tragen.

Nach dem entscheidenden Tor rannte ein schottischer Fan auf das Spielfeld und berührte Dida leicht am Hals, der daraufhin theatralisch zu Boden ging. Für die Aktion musste der Keeper deutliche Kritik der italienischen Medien einstecken. "Dida blamiert sich: Daneben gegriffen und simuliert", titelte die Sportzeitung "Tuttosport". Und die "Corriere dello Sport" forderte: "Milan, dafür muss Dida eine Lektion erteilt werden."

Auf Boninsegnas Spuren

Bei vielen Beobachtern wurden Erinnerungen an 1971 wach, als Roberto Boninsegna von Milans Lokalrivalen Inter Borussia Mönchengladbach schweren Schaden zufügte. Der damalige deutsche Meister spielte Inter in einem furiosen Spiel des Landesmeistercups mit 7:1 an die Wand. Der Sturmlauf der Fohlen wurde jedoch annulliert, weil sich der angeblich verletzte Boninsegna nach einem Büchsenwurf vom Spielfeld des Bökelbergs tragen ließ. Ein ähnliches Schicksal droht Celtic nun nicht, da selbst Milans Verantwortliche von Didas Simulation peinlich berührt waren. "Wir werden keinen Protest einlegen", stellte Vize-Präsident Adriano Galliani klar.

Die Europäische Fußball-Union Uefa wird aber voraussichtlich erst morgen eine Entscheidung darüber treffen, ob eine Untersuchung eingeleitet wird. Wie die Uefa-Pressestelle mitteilte, will man zunächst die Berichte des offiziellen Uefa-Delegierten und des Schiedsrichters, in diesem Fall der deutsche Fifa-Referee Markus Merk (Otterbach), abwarten.

Capello lästert über Schuster

Auch für die Deutschen Timo Hildebrand und Bernd Schuster gab es wenig zu feiern. Real Madrids Trainer Schuster holte zwar beim 2:2 bei Lazio Rom einen Punkt, wurde aber ausgerechnet von seinem Vorgänger als Real-Coach massiv kritisiert. Der Italiener Fabio Capello lästerte im italienischen Fernsehen: "Dieses Madrid hat keine Identität". Dank zweier Tore von Ruud van Nistelrooy liegt Real dennoch in der Bremens Gruppe C mit vier Zählern punktgleich mit Olympiakos Piräus auf Achtelfinal-Kurs.

In der Gruppe B ist Hildebrands FC Valencia nach dem 1:2 gegen den FC Chelsea hinter Schalke auf den dritten Rang zurückgefallen. Trotz der Niederlage hatte der ehemalige Stuttgarter auch Grund zur Freude. Obwohl der bisherige Stammtorhüter Santiago Canizares nach einer Verletzung wieder fit ist, stand Hildebrand gegen das Londoner Starensemble zwischen den Pfosten und spielte eine fehlerfreie Partie. "Man hat den Eindruck, dass Hildebrand seinen Trainer Quique Sánchez Flores überzeugt hat", schrieb die spanische Sportzeitung "Marca".

Der Club des weiterhin verletzten Michael Ballack steht nach dem holprigen 1:1 gegen Trondheim am ersten Spieltag mit vier Punkten nun auf dem ersten Platz der Gruppe B. In der Gruppe A feierte der ehemalige Bundesligacoach Eric Gerets einen gelungenen Einstand bei Olympique Marseille. Die Franzosen siegten überraschend mit 1:0 beim Vorjahres-Finalisten FC Liverpool. Marseille führt mit sechs Punkten vor dem FC Porto, der bei Besiktas Istanbul ebenfalls mit 1:0 gewann. (mit dpa/sid)