Der Tagesspiegel : Chaos-Einsatz in Brandenburg

Acht Berliner Polizisten wollten vier Autodiebe festnehmen. Ohne Absprache – und ohne Erfolg. Innenminister Schönbohm ist sauer

Michael Mara/Thorsten Metzner

Potsdam. Wegen einer fehlgeschlagenen Aktion Berliner Polizisten in Brandenburg (Havel), bei der ihnen eine Dienstwaffe gestohlen wurde, mussten nicht nur Brandenburger Kollegen zu einem Großeinsatz gerufen werden. Der Versuch von acht Berliner Beamten, vier polnische Autodiebe festzunehmen, war auch nicht mit der Brandenburger Polizei abgesprochen worden – und führte deshalb zu erheblicher Verstimmung unter Potsdamer Politikern. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sagte: „Ein solches Vorgehen entspricht nicht den Prinzipien einer kollegialen Zusammenarbeit und ist nicht akzeptabel.“ Er werde den Fall nächste Woche bei einem Treffen mit Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zur Sprache bringen.

In der Nacht zum Donnerstag hatten acht offenbar ortsunkundige Berliner Kripo-Beamte in einer Bungalowsiedlung am Stadtrand von Brandenburg (Havel) versucht, vier polnische Autodiebe festzunehmen. Als dies missglückte und einer der Täter einem Polizisten im Handgemenge die Dienstwaffe wegnahm, wurde die Brandenburger Polizei um Hilfe gebeten. Anschließend begann ein bis Donnerstagmittag andauernder Großeinsatz, an dem 164 Beamte, Fährtenhunde und ein Hubschrauber beteiligt waren. Dennoch konnten zunächst nur drei Verdächtige festgenommen werden. Der vierte Pole, der wahrscheinlich im Besitz der Dienstpistole ist, wurde nicht gefasst – obwohl ein ganzes Schilffeld abgemäht wurde, in dem man ihn vermutete. Er ist inzwischen bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben.

Innenminister Schönbohm kritisierte, dass die Berliner Polizei in Brandenburg nicht zum erstenmal unabgestimmt tätig geworden sei und erinnerte an eine Razzia in Guben im Zusammenhang mit der Festnahme eines Brandenburger V-Mannes im letzten Juli. Ähnliche Vorfälle dürften sich nicht wiederholen, verlangte Schönbohm.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Sven Petke sagte, der Berliner Einsatz in Brandenburg sei „ein klassischer Verstoß“ Berlins gegen die Gesetzeslage. Ohne Not sei der Brandenburger Polizei „horrende Kosten“ entstanden. Dafür müsse Berlin zahlen. Es könne nicht sein, dass die Berliner Polizei in der ganzen Republik – wie auch im Fall Friedman in Frankfurt/Main – „unabgestimmt Hauptstadt-Justiz spielt“.

Einsätze in einem Nachbarland seien üblich, müssten aber den dortigen Leitstellen angezeigt werden, bestätigte Potsdams Polizeipräsident Bruno Küpper. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch habe sich für das „Versehen“ entschuldigt. Nach Angaben der Berliner Polizei hätten die Beamten zunächst nur eine „Aufklärungsfahrt“ nach Brandenburger unternommen. Dabei seien sie auf die mutmaßlichen Täter gestoßen.

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