Der Tagesspiegel : Chaos in Potsdam nach Bombenfund

Blindgänger konnte am Abend entschärft werden. Tausende mussten zuvor ihre Wohnungen verlassen

Potsdam - Sprengstoffexperten haben gestern Abend in der Potsdamer Innenstadt eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe entschärft. Über 3000 Menschen mussten zuvor in Sicherheit gebracht werden. Der britische Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg war am Mittag während der Bauarbeiten für die neue Straßenbahnbrücke im Bereich Alte Fahrt entdeckt worden. Aufgrund ihrer Lage habe sie sofort entschärft werden müssen, teilte die Stadtverwaltung mit. Der Sprengkörper sei von den Bauarbeitern bewegt worden, das habe ihn besonders gefährlich gemacht.

Die Innenstadt im Bereich Alter Markt, Lange Brücke, Neuer Markt und Leipziger Straße wurden daraufhin für mehrere Stunden komplett gesperrt. Das Hotel Mercure, Gaststätten, die Fachhochschule und zahlreiche Wohnungen, so auch in Häusern hinter dem Alten Rathaus, wurden nach 15 Uhr geräumt, ebenso Hauptbahnhof und Bahnhofspassagen. Staatskanzlei und Landesregierung waren nicht betroffen.

Während der Entschärfung wurden Zug- und S-Bahn-Verkehr unterbrochen, der Nahverkehr wurde teilweise über Babelsberg umgeleitet. 18 Züge fuhren nach Angaben der Deutschen Bahn ohne Halt durch Potsdam, 18 weitere fielen aus. S-Bahnen aus Berlin fuhren zeitweise nur bis Babelsberg, Regionalzüge bis Wannsee oder Griebnitzsee. Regionalzüge aus Brandenburg/Havel endeten in Werder. Zehntausende Berufspendler und Touristen waren betroffen. Noch bis in den späten Abend kam es zu Verspätungen.

In der Stadt bildeten sich kilometerlange Staus, es herrschten teilweise chaotische Zustände, auch der Taxiverkehr war überlastet. Sogar auf der Havel kam es nach dem Bombenfund zum Stau. Die Weiße Flotte hat am Hotel Mercure ihre Hauptanlegestelle, die am Nachmittag wegen der Räumung nicht angefahren werden konnte.

Rund 150 Mitarbeiter der Stadtverwaltung informierten ab 15 Uhr die Anwohner, die von rund 70 Feuerwehrleuten und Polizisten in die Rosa-Luxemburg-Schule in der Burgstraße am Rande des Sperrgebiets geführt wurden. 30 nicht gehfähige Personen wurden mit Krankenwagen transportiert.

Die Entschärfung der Bombe begann gegen 18 Uhr. Um 19.05 Uhr meldete Hans-Jürgen Weise vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg den Erfolg. Danach wurden die Evakuierungs- und Sperrmaßnahmen aufgehoben. Alle betroffenen Anwohner konnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben