Der Tagesspiegel : Chaos in Potsdam nach Bombenfund

Der Verkehr kam in der Innenstadt zum Erliegen, Tausende mussten ihre Wohnungen verlassen

Juliane Wedemeyer

Potsdam - Kilometerlange Staus auf den Straßen, tausende Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten – ein Bombenfund verursachte gestern in der Potsdamer Innenstadt teils chaotische Zustände. Bei Bauarbeiten war am Mittag in der Nähe der Freundschaftsinsel eine 250 Kilogramm schwere Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Aufgrund ihrer Lage sollte die britische Bombe sofort entschärft werden, sagte ein Sprecher der Stadt. Daraufhin mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden, der Verkehr kam nahezu zum Stillstand. Unter anderem waren die Lange Brücke, die Schloßstraße, Breite und Leipziger Straße gesperrt. Ab 15 Uhr begann die Räumung der Gebäude im Umkreis von 500 Metern um die Fundstelle der Bombe – davon betroffen waren zahlreiche Wohnhäuser, der Bahnhof, das Hotel Mercure sowie die Fachhochschule.

Rund 3000 Einwohner mussten ihre Wohnungen am Nachmittag verlassen. Beamte klingelten an den Türen der Wohnungen und informierten die Einwohner über die Räumung. Feuerwehrleute geleiteten die Anwohner in eine nahegelegene Schule. Krankenwagen wurden an den Absperrungen positioniert. Die Uhrzeit für die Entschärfung der Bombe stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Sie hing von der Geschwindigkeit der Evakuierung ab.

Ein Arbeiter hatte die Bombe gegen Mittag bei Bauarbeiten für eine neue Straßenbahnbrücke entdeckt. Die Bombe sei an der Alten Fahrt, einem Havelarm an der Freundschaftsinsel, gefunden worden. Die Lange Brücke sei unverzüglich für den gesamten Verkehr gesperrt worden. Autofahrer wurden durch die Innenstadt geleitet. Die Regionalzüge sollten – von Berlin kommend – bis Wannsee oder Griebnitzsee fahren, von Brandenburg/Havel aus bis Werder. Im Fernverkehr gab es erhebliche Einschränkungen. Nach Angaben der Deutschen Bahn fuhren 18 Züge zunächst ohne Halt durch die Station. 18 weitere Züge fielen komplett aus. Während der ab frühestens 18 Uhr geplanten Entschärfung sollte der Bahnhof für voraussichtlich zwei Stunden gesperrt werden. „Mehrere Tausend Reisende sind betroffen“, sagte ein Bahnsprecher. Auch nach der Entschärfung dauere es noch einige Zeit, bis der Takt wieder hergestellt sei. In dem Gebäude des Bahnhofs befindet sich eine Einkaufspassage mit zahlreichen Geschäften.

Die Staatskanzlei und die Landesregierung mussten nicht geräumt werden.

Sogar auf der Havel kam es nach dem Bombenfund zum Stau. Die Weiße Flotte hat am Hotel Mercure ihre Hauptanlegestelle – und die konnte am Nachmittag wegen der Räumung nicht angefahren werden. (mit ddp)

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