Der Tagesspiegel : Check-In für den Großflughafen

Tausend Interessierte kamen zum Informationstag der Luftfahrtbranche und trafen ihre möglichen Arbeitgeber der Zukunft

Claus-Dieter Steyer

Schönefeld - Die Vision von der „Jobmaschine BBI“ war gestern in Schönefeld geradezu leibhaftig zu besichtigen. Hunderte Blatt Papier wechselten im Trainingszentrum der Lufthansa ihre Besitzer. 20 Unternehmer der Luftfahrtindustrie verteilten hier Prospekte, Arbeits- und Fortbildungsangebote sowie Einladungen zu Umschulungskursen, während das Publikum im Gegenzug Bewerbungsmappen oder zumindest Visitenkarten übergab. Mehr als tausend Interessierte in sechs Stunden zählten die Arbeitsagentur Potsdam und das regionale Netzwerk der Luftfahrtbranche auf dem ersten gemeinsamen Informationstag. Es waren nicht nur Arbeitslose, sondern auch erstaunlich viele Menschen in einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Die meisten erhoffen sich durch einen neuen Job bessere Aufstiegschancen und vor allem eine bessere Bezahlung gegenüber ihrem jetzigen Arbeitsplatz, hieß es nahezu einmütig von den Teilnehmern.

„Damit liegen sie in der Luftfahrt genau richtig“, sagte Wolf Schöde, Geschäftsführer des Netzwerks „Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz“. Schon jetzt biete die Branche in beiden Ländern rund 4000 Arbeitsplätze, dazu kämen die 15 000 Beschäftigten an den jetzt noch drei Flughäfen. Durch die weltweit anhaltende Nachfrage seien beispielsweise die Triebwerkshersteller von Rolls-Royce in Dahlewitz weitgehend vor Krisen geschützt. Der Umsatz in der reinen Luftfahrtindustrie wachse weltweit jährlich um fünf Prozent, in Berlin und Brandenburg immerhin um zwei bis drei Prozent. „Um hier Schritt halten zu können, brauchen wir gut ausgebildete Facharbeiter genauso wie motivierte Bewerber aus anderen Berufen“, sagte Schöde.

Während die großen Unternehmen wie Rolls-Royce, MTU in Ludwigsfelde oder „Lufthansa Bombardier Aviation Services“ in Schönefeld vor allem Fluggerätemechaniker, Elektroniker oder Fluggerätebauer suchen, halten Fluggesellschaften nach Luftverkehrskaufleuten, Flugbegleitern oder Servicekräften für die Passagierabfertigung Ausschau. „Stewardess war immer mein Traum“, sagte die 24-jährige Nicole Werner aus Königs Wusterhausen nach einem Gespräch bei einer Fluggesellschaft. „Aber ohne ein gutes Englisch besitze ich keine Chance, wie ich erfahren habe.“ Ihr Begleiter hatte seine Pläne da schon geändert: „Mit meinen 1,98 bin ich zu groß für die Kabine, darum versuche ich es jetzt beim Check-In“, sagte er.

Dicht umlagert war auch der Stand des neuen Großflughafens BBI in Schönefeld. In ihn setzt nicht nur die Wirtschaft große Hoffnung. „Wenn da wirklich bis 2012 rund 40 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, müsste doch für jeden etwas dabei sein“, sagte Jimmy Krakow aus Pankow nach einer Präsentation der Flughafengesellschaft. „Aber die zählen auch Bäcker, Friseure und Zimmermädchen in neuen Hotels dazu.“ Er will sich erst einmal bei einer Firma bewerben, die beim Flughafenbau eingestiegen ist. Derzeit arbeiten auf der 2000 Fußballfelder großen Fläche schon 2000 Bauleute, in der Spitzenzeit sollen es 4000 sein.

Mitorganisator Wolf Schöde zweifelte nicht an den optimistischen Prognosen. „Berlin wird nach Frankfurt (Main) und München Deutschlands drittes Luftkreuz“, sagte er. „Da ist der Aufschwung greifbar.“

Jobangebote im Internet unter www.berlin-airport.de oder im Besucherzentrum „Airportworld“ gegenüber dem S-Bahnhof Schönefeld täglich von 10 bis 18 Uhr

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