Der Tagesspiegel : China fliegt auf Parchim

Neue Probleme für Flughafen-Ausbau in Schönefeld

Klaus Kurpjuweit

Schönefeld - Platzt der Traum, Schönefeld zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) auszubauen, wofür der Bund erst jetzt 74 Millioenn Euro für den Straßenausbau bewilligt hat? In der nächsten Woche wollen die Betreiber des Flugplatzes Eberswalde-Finow, die die Anlage ausbauen wollen, ihre Unterlagen einreichen. Und im Norden, in Mecklenburg-Vorpommern, hat ein chinesisches Unternehmen den Flugplatz Parchim gekauft. Dort soll es in Zukunft vorwiegend Fracht- , aber auch mehr Passagierflüge geben. Leipzig hat bereits dem BBI das Frachtgeschäft weggeschnappt.

Alles nicht so schlimm, heißt es im Brandenburger Infrastrukturministerium. BBI werde durch Parchim nicht gefährdet. Zu Finow wollte sich eine Sprecherin dagegen nicht äußern. Im Verfahren muss am Ende geprüft werden, ob sich ein Ausbau mit dem Landesentwicklungsplan vereinbaren lässt, der sich auf Schönefeld als Standort für einen internationalen Flughafen festgelegt hat.

Vom Traum, Frachtflugverkehr in großem Stil abzuwickeln, haben sich die BBI-Planer längst verabschiedet, zumal Nachtflüge untersagt sind. In Leipzig und Parchim dürfen die Frachtflugzeuge dagegen rund um die Uhr starten und landen. Parchim war sogar einst vom damaligen Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) als gemeinsamer internationaler Flughafen für Berlin und Hamburg vorgeschlagen worden.

Sollten die Chinesen in Zukunft auch Passagiere nach Parchim fliegen, könnte dies ein Schlag gegen Schönefeld sein. Dort erhofft man sich durch die bevorstehende Aufnahme von Flügen aus Hongkong eine Signalwirkung für weitere interkontinentale Verbindungen.

Auf Regionalverkehr mit größeren Maschinen setzt dagegen der Geschäftsführer des Flugplatzes in Finow, Reinhard Wolk. Heute ist das Gewicht der Flugzeuge auf 14 Tonnen beschränkt, nun sollen Maschinen bis zu 85 Tonnen zugelassen werden, wie sie auch von Billigfluglinien eingesetzt werden. In 15 Jahren wolle Finow zwei Millionen Passagiere im Jahr abfertigen. 25 Millionen Euro sollen investiert werden – vor allem in eine neue Mehrzweckhalle und den Straßenbau. Bei einer Landebahn soll es bleiben.

Rechtliche Risiken für den BBI-Ausbau sieht Wolk nicht. Der Chef der Berliner Flughafengesellschaft, Rainer Schwarz, hatte vor kurzem vor einem Ausbau in Finow gewarnt.

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