China-Geschäfte : Sarkozy als lachender Dritter

Nachdem Deutschland und die USA wegen des Empfangs des Dalai Lamas durch China abgestraft werden, nutzte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Gunst der Stunde um bei seinem China-Besuch glänzende Geschäfte zu machen. Kritische Worte hat er sich dafür verkniffen.

Sarkozy China
Goldener Handschlag: Chinas Präsident Hu Jintao und der französische Staatschef Sarkozy. -Foto: AFP

PekingBeim ersten Staatsbesuch von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in China sind Wirtschaftsabkommen in Höhe von rund 20 Milliarden Euro unterzeichnet worden. China kauft 160 Airbusse sowie zwei französische Atomkraftwerke. In dem bisher größten Geschäft der französischen Nuklearindustrie vereinbarte der Staatskonzern Areva außer der Lieferung der Reaktoren und des nötigen Kernbrennstoffs dafür eine umfangreiche Kooperation beim massiven Ausbau der Kernenergie in China. Die Volksrepublik will wegen seines rasant steigenden Energiebedarfs etwa zwei Dutzend Atommeiler bis 2020 bauen.

Vor dem Hintergrund des wachsenden französischen und europäischen Handelsdefizits mit China forderte Sarkozy nach Gesprächen mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao vor Journalisten eine Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Euro. "Auch aus eigenem Interesse muss China die Aufwertung des Yuan gegenüber dem Euro beschleunigen", sagte Sarkozy. "Wir müssen zu Kursen gelangen, die harmonisch und gerecht sind und der globalen Wirtschaft nützen." Aus europäischer Sicht ist der Yuan um 20 bis 25 Prozent unterbewertet, was chinesischen Exporteuren einen unfairen Handelsvorteil gibt.

In Gegenwart von Sarkozy und Hu Jintao besiegelte der europäische Flugzeughersteller Airbus die Lieferung von 160 Maschinen der A320- und A330-Familien. Ein Airbus-Sprecher gab den Listenpreis mit 17,4 Milliarden US-Dollar (11,7 Milliarden Euro) an. Die staatliche Importgesellschaft für die Luftfahrtindustrie Chinas vereinbarte die Lieferung von 110 Maschinen der A320-Familie und 40 A330-Maschinen. Die Flugzeuge sind noch keiner chinesischen Airline zugeteilt. Die China Southern Airlines übernimmt weitere zehn A330-Maschinen.

Atom-Deal sichert Areva langfristig die Existenz

Nach der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in der Atomenergie sprach die Areva-Chefin Anne Lauvergeon von einer "neuen Ära in einer beständigen und konstruktiven Partnerschaft". Es sei ein großer Schritt für ihre Unternehmensgruppe, sagte Lauvergeon, die das Abkommen mit Qian Zhimin, dem Vorsitzenden der China Guangdong Nuclear Power Group Corporation (CGNPC), unterzeichnete. Die Atomkraftwerke mit einer Kapazität von jeweils 1700 Megawatt werden in Taishan in der südchinesischen Boom-Provinz Guangdong gebaut. Nach Frankreich und Finnland wird China damit das dritte Land, in dem die neue Generation des Druckwasserreaktors (EPR) stehen wird.

Das chinesische Unternehmen CGNPC vereinbarte ferner die Lieferung von 35 Prozent der Uran-Produktion der Areva-Tochter UraMin für den Betrieb der Atommeiler. Mit dem staatlichen Atomunternehmen China National Nuclear Corporation (CNNC) wird Areva nach eigenen Angaben ferner den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage für abgebranntes Brennmaterial studieren. Areva konkurriert mit Westinghouse Electric, das von dem japanischen Unternehmen Toshiba aufgekauft wurde, um den lukrativen Atommarkt in China. Im Juli hatte Areva das Nachsehen, als Westinghouse den Zuschlag für den Bau von vier Reaktoren erhielt. Das Geschäft wurde damals auf 5,3 Milliarden US-Dollar beziffert. (mit dpa)