China : "Kein hunderprozentiges Plagiat"

Während zu Hause die Aktienmärkte einbrechen und die Inflation nicht in den Griff zu bekommen ist, droht der Plagiatstreit auf der Automobilmesse zu eskalieren. Jetzt beschwert sich auch noch die Europäische Handelskammer über Benachteiligungen und Abschottung in China.

Michael Stürzenhofecker

Frankfurt am Main/BerlinTrotz Beschwerden des bayerischen Autobauers hat "China Automobile" seinen umstrittenen Geländewagen "CEO" auf der internationalen Automobilmesse in Frankfurt ausgestellt. Natürlich habe der CEO Inspirationen europäischer Geschmäcker an sich, meint Karl Schlössl vom Autoimporteur China Automobile Deutschland, betonte jedoch auch: "Aber es ist kein Plagiat, schon gar kein
hundertprozentiges." Derweil brechen chinesische Aktienindizes aufgrund einer ständig steigenden Inflation ein. Allein Fleisch sei um knapp 50 Prozent teurer geworden. Auf einem in Peking vorgestellten Grundsatzpapier beschwert sich jetzt auch noch die Europäische Handelskammer über Benachteiligungen und nichttarifäre Barrieren im Handel mit China: "Wir möchten mehr leisten, wir können mehr leisten, aber wir sind mit Hürden konfrontiert", sagte der Kammervorsitzende Jörg Wuttke.

Das Volumen im bilateralen Handel Chinas mit der Europäischen Union stieg im vergangenen Jahr zwar um 21,6 Prozent auf mehr als 254 Milliarden Euro, hätte aber nach Aussage der Handelskammer weit höher liegen können. Nach einer früheren Schätzung sind europäischen Unternehmen durch die Handelsbarrieren in China im Jahr 2004 Geschäfte im Wert von 21,4 Milliarden Euro entgangen. Schuld sei vor allem der zunehmende chinesische Protektionismus. Ausländische Firmen seien besonders im Finanz-, Automobil-, Petrochemie-, Energie- und Telekommunikationssektor stark benachteiligt. Unter anderem dürften sie nicht an manchen Ausschreibungen teilnehmen oder hätten mit höheren Kosten zu rechnen. Ein Beispiel dafür seien die ungleichen Nutzungskosten für Einflugschneisen im Flugverkehr. "Europäische Unternehmen bitten um keinen Gefallen und keine bevorzugte Behandlung, sondern wir verlangen ein nicht-diskriminierendes Investitionsklima, faire und unvoreingenommene Behandlung und ein voraussehbares und konsistentes Rechtssystem."

80 Prozent der konfiszierten Plagiate sind aus China

Auch der Schutz des geistigen Eigentums stellt weiterhin ein Problem dar. Obwohl die Handelskammer eine positive Entwicklung sieht, stammen nach wie vor mehr als 80 Prozent der vom europäischen Zoll konfiszierten gefälschten Produkte aus China. "Die Maßnahmen zum Schutz des geistigen Eigentums haben sich verlangsamt", sagte Wuttke. In einigen Fällen, unter anderem beim Verkauf von DVDs, seien die Verkaufslizenzen für gefälschte Artikel schneller erhältlich als diejenigen für Originalprodukte.

Das aktuellste Beispiel ist die angekündigte Klage des bayerischen Autobauers BMW. Weil der "CEO" von "China Automobile" dem eigenen "X5" erstaunlich ähnelt, haben die Bayern Klage gegen den Vertrieb angekündigt. Die Chinesen stellten den Geländewagen heute trotzdem in Frankfurt aus. Obwohl er im schlimmsten Fall seinen Stand räumen müsste, bleibt "China Automobile" Chef Karl Schlössl gelassen: Sollte der "bayerische Autobauer" den umstrittenen CEO tatsächlich per Gerichtsverfügung von der Messe entfernen lassen, wäre dies eine "Bestätigung für die Qualität der Fahrzeuge". Überdies sei das Fahrzeug bereits über 100.000 verkauft worden und "bislang hat sich noch niemand darüber aufgeregt".

Fleisch wird um 49 Prozent teurer

Auch mit einem anderen großen Autobauer hatten die Chinesen bereits Ärger, jedoch nach einer angedrohten Klage schließlich darauf verzichtet, den Kleinwagen "Noble" des Herstellers Shuanghuan zu zeigen, da er dem Kleinstwagen "Smart Fortwo" täuschend ähnlich sieht. Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte sich deshalb entspannter: "Wir sind da im Grundsatz sehr relaxed." Dass Mercedes-Kunden eine billige Kopie aus China kaufen würden, hielt er für ausgeschlossen. "Ich bin mir sehr sicher, dass dem nicht so sein wird"

Fernab der Automesse hat China mit wirtschaftlichen Problemen im eigenen Land zu kämpfen. Einem Bericht der "BBC" zufolge bekommt das Land die außerordentlich starke Inflation von 6,5 Prozent nicht in den Griff. Allein die Fleischpreise hätten um knapp 50 Prozent zugelegt. Auch Initiativen der chinesischen Zentralbank wie mehrfache Zinserhöhungen haben nichts gefruchtet. Nach Berichten des "Spiegels" brachen daraufhin heute Morgen in Shanghai die Aktienindizes als um über vier Prozent ein. Jetzt geht die Angst um, dass die Inflation sich über die Lebensmittelbranche hinaus ausbreitet. Analysten wie Rob Subbaraman aus Hong Kong machen dafür das rasante Wirtschaftswachstum verantwortlich. (mit AFP/dpa)