Der Tagesspiegel : Chipfabrik: Fürniß verhandelt in Dubai

Stefan Jacobs

Das Emirat Dubai wird sich voraussichtlich nicht aus dem Milliardenprojekt "Communicant AG" zurückziehen. "Ich weiß gar nicht, woher die Gerüchte kommen, dass Dubai aussteigt", sagte Communicant-Geschäftsführer Klaus Wiemer gestern. Zuvor hatte schon Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) Berichte dementiert, wonach die Araber ihre Beteiligung an der geplanten Chipfabrik aufgeben wollen: "Wir sind nicht hier, um Krisengespräche zu führen, sondern um die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen", sagte Fürniß, der sich in Dubai aufhält.

Das Emirat will rund eine Milliarde Mark in die Chipfabrik investieren; eine vertragliche Zusage dafür steht aber noch aus. Communicant-Geschäftsführer Wiemer sagt, er mache sich deshalb keine Sorgen, und verweist auf frühere Verhandlungen mit dem Chiphersteller Intel, die sich über sieben Monate hingezogen hätten - "und das war schon relativ schnell". Mit Dubai verhandele man erst seit Februar dieses Jahres. "Unser Ziel ist, die Finanzierung bis Jahresende geklärt zu haben", sagte Wiemer. Momentan fehlten noch 200 Millionen Dollar. Jetzt würden noch fünf oder sechs Investoren gesucht - und nach Wiemers Einschätzung auch gefunden. Denn zurzeit prüften acht Firmen ernsthaft ihre Beteiligung an der gut drei Milliarden Mark teuren Fabrik.

Über die Finanzierung haben die Beteiligten zwar Stillschweigen vereinbart. Kritiker hatten allerdings schon seit Bekanntwerden des Projektes im Februar dessen angeblich unsichere finanzielle Basis moniert. Die für die zweite Aprilhälfte angekündigte und dann auf Juni verschobene Grundsteinlegung hatte die Spekulationen zusätzlich angeheizt. Dazu sagte Wiemer: "Für solche Lappalien wie einen feierlichen ersten Spatenstich haben wir eigentlich keine Zeit." Seit gestern würden auf dem Areal Baumaschinen abgeladen, in der kommenden Woche werde der Baugrund planiert. Der Festakt solle zwischen 15. und 20. Juni nachgeholt werden. Das genaue Datum hänge in erster Linie vom Terminkalender des Bundeskanzlers ab.

Die Chipherstellung bei Communicant soll im Jahr 2003 anlaufen. Seit dieser Woche werden in Frankfurt 24 Ingenieure für die Arbeit in der künftigen Fabrik ausgebildet. Insgesamt sollen etwa 1500 Arbeitsplätze in der Fabrik selbst und ebenso viele in ihrem Umfeld entstehen.

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