Der Tagesspiegel : Chipfabrik: Vorstandschef weiter auf seinem Posten Keine Einigung der Gesellschafter über Communicant-Abwicklung

Michael Mara

Potsdam. Der umstrittene Vorstandschef der gescheiterten Chipfabrik in Frankfurt (Oder) Abbas Ourmazd bleibt weiter auf seinem Posten. Ein von der Landesinvestitionsbank ILB und der privaten Investorengruppe GSMC–Planning zur gestrigen Gesellschafterversammlung von Communicant eingebrachter Misstrauensantrag wurde „mit der Mehrheit der Stimmen abgelehnt“. Dem Vernehmen nach haben das Emirat Dubai und der US-Chiphersteller Intel, die zusammen über 58 Prozent der Aktien verfügen, gegen die Ablösung von Ourmazd votiert. Die ILB, GSMC Planning und das staatliche Institut für Halbleiterphysik (IHP), die über die restlichen 42 Prozent der Aktien verfügen, konnten sich nicht durchsetzen. Vor allem Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) hatte sich in den letzten Wochen hinter den Kulissen für eine Ablösung von Ourmazd stark gemacht, weil die Landesregierung ihm keine korrekte Abwicklung des Unternehmens zutraut.

Die Gesellschafterversammlung war einberufen worden, um über die Modalitäten der Abwicklung von Communicant zu entscheiden. Über die Art der Liquidation konnte jedoch keine Einigung erzielt werden. Der Vorstand wird jetzt laut Communicant „die Abwicklung weiterhin fortsetzen“. Auch ohne Liquidationsbeschluss stehe er in der rechtlichen Verpflichtung, „das Projekt zu beenden und noch ausstehende Verpflichtungen zu erfüllen“. Über die geplanten Abfindungen in Höhe von drei Millionen Euro an Ourmazd und seine zwei Vorstandskollegen wurde kein Beschluss gefasst. Sie hatten in den letzten Tagen Empörung im Landtag ausgelöst, weil gleichzeitig 130 Lehrlingen zum Monatsende gekündigt wurde. Über das weitere Schicksal der Lehrlinge wurde bei Redaktionsschluss noch verhandelt. Doch will Ourmazd 140 000 Euro, die er rückwirkend für seine frühere Tätigkeit als Aufsichtsratschef erhält, in einen Fonds für die Lehrlinge einzahlen.

Nach Tagesspiegel-Informationen lagen den Gesellschaftern Anträge sowohl auf stille wie auch auf offene Liquidation vor. Der Unterschied: Bei der stillen Liquidation besteht der Vorstand als solcher weiter. Dies ist im Sinne von Dubai und Intel, die dem Vernehmen nach keine Abwickler „von außen“ wollen, um „unnötige Schlagzeilen“ zu vermeiden. Allerdings bekamen Dubai und Intel nicht die nötige Drei-Viertel-Mehrheit.

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