Chronik : 25.000 Bomben im Jahr

Historischer Boden: Vom Übungsgelände der Roten Armee zum Protestzentrum der Friedensbewegung.

1946/47: Die Sowjetarmee besetzt das riesige Gebiet nach umfangreicher Abholzung wegen Schädlingsbefall.

1952/53: Die ersten Panzer der Roten Armee rollen. Bei Militärübungen werfen russische Flugzeuge bis zu 25 000 Mal im Jahr Bomben im Tiefflug ab. Dadurch wird der Begriff Bombodrom geprägt.

1992: Die Bürgerinitiative „Freie Heide“ wird gegründet und setzt sich für eine zivile Nutzung des Geländes ein. Die Übungsflüge der russischen Truppen werden eingestellt.

1993: Die russischen Truppen ziehen ab, der Bund wird Rechtsnachfolger. Die CDU/FDP-Bundesregierung beschließt die militärische Weiternutzung als Truppenübungsplatz.

1994: Bei Demonstrationen verspricht der damalige SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping im Falle eines Wahlsieges den Verzicht auf eine weitere militärische Nutzung des Geländes.

1998: Scharping wird Bundesverteidigungsminister, will sich jedoch zur Nutzung des Bombodroms nicht mehr festlegen.

1999: Das Oberverwaltungsgericht Brandenburg bestätigt eine Entscheidung des Potsdamer Verwaltungsgerichts und gibt Gemeinden, Privatleuten und einer Kirchengemeinde in Teilen recht, die Flächen zurückgefordert hatten.

2000: Das Bundesverwaltungsgericht untersagt die militärische Nutzung. Allerdings hat die Bundeswehr dem Richterspruch zufolge die Möglichkeit, die versäumten Anhörungen der Anwohner nachzuholen.

2001: Beim Anhörungsverfahren lassen die Gegner des Bombodroms die Bundeswehr allein am Verhandlungstisch zurück. Unter lauten Protesten verlassen sie den Saal. „Wir lassen uns von der Bundeswehr keine Werbefilme zeigen“, sagt Pfarrer Benedikt Schirge danach. „Uns geht es um unsere Zukunft, aber die Armee nimmt uns nicht ernst.“

2003: Nach Berichten, dass die ersten Tornado-Kampfjets – ohne Bomben – das Bombodrom ansteuern, weiten sich die Proteste der Friedensbewegung aus.

2004: Die Landes-CDU deutet die Bereitschaft zum Abrücken vom Bombodrom an. Auf Bundesebene ist allerdings kein Durchbruch zu erwarten. Die mittlerweile 90. Protestwanderung zählt 500 Teilnehmer. Einige Demonstranten überwinden die Schranke zum Übungsplatz und verpflichten sich zu zivilem Ungehorsam, falls die Bundeswehr dort den Übungsbetrieb beginnen sollte. Sie unterzeichnen eine Erklärung, in einem solchen Fall das Areal trotz Verbots zu betreten.

2005: Das Verteidigungsministerium reicht Eilanträge zur Abänderung bisheriger Entscheidungen beim Verwaltungsgericht Potsdam ein, um eine sofortige militärische Nutzung der Heide zu erlangen.

6. Mai 2006: Das Verwaltungsgericht Potsdam lehnt eine Änderung der Eilbeschlüsse in der Mehrheit der Fälle ab und entscheidet, dass die Klagen gegen die militärische Nutzung der Heide ihre aufschiebende Wirkung behalten.

9. Juli 2009: Nach 15-jährigen Protesten erklärt Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den Verzicht auf die militärische Nutzung des Bombodroms. Damit ist der seit 1994 geführte Rechtsstreit beendet. Ab jetzt ist das Gelände Naturschutzgebiet. bsz

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